Finanzhilfen reduzieren Staatskosten

1. August 2003, 20:49
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Sonntag beginnt eine Aidskonferenz in Paris - laut jüngster Studie können Investitionen in medikamentöse Behandlungen Staatskosten und HIV-Neuinfektionen reduzieren

Paris/Wien - Die Internationale Aids Gesellschaft (IAS) und die französische Staatliche Aids Forschungsorganisation (ANRS) veranstalten unter dem Titel "Aids: Pathogenese und Behandlung" ab Sonntag eine internationale Aidskonferenz in Paris.

Im Vorfeld wurde der wirtschaftliche Aspekt eines von Regierungen von Entwicklungsstaaten mit Forschern und internationalen Organisationen gemeinsam geplanten Aidsprogramms erläutert. Die Ergebnisse der Studie liegen bereits vor und wurden Freitag in Paris präsentiert.

Die Autoren gehen davon aus, dass die Behandlung der mit HIV Infizierten und Aidskranken dem Staat kurz- und langfristig Einsparungen bringt. Sie belegen dies folgendermaßen: 250.000 Personen in den Ländern des südlichen Erdteils hatten im Jahr 2002 Zugang zu antiretroviraler Behandlung. Die Hälfte davon in Brasilien, aufgrund eines Programms, das die Regierung mit dem Globalen Fonds zur Behandlung von Tuberkulose, Aids und Malaria aufbaute.

Die Behandlung war gratis für die 125.000 Patienten. Man stellte fest, dass die Therapie die Lebenserwartung von sechs Monaten auf heute fünf Jahre verlängerte. Und sie reduzierte kostspielige Spitalsaufenthalte. Als Nebeneffekt stellt man bei den medikamentös Behandelten eine wesentlich höhere Bereitschaft zur Verwendung von Kondomen fest: weniger Infektionen.

Die Autoren kalkulieren, dass sich die Einsparungen für Brasilien - nur die vermiedenen Spitalsaufenthalte berechnet - auf 973 Millionen Euro belaufen und auf 1,8 Milliarden, wenn man die ambulante Behandlung inkludiert. Die Investitionen beliefen sich dagegen auf 1,6 Milliarden.

Das Modell funktioniert auch deshalb so kostensparend, weil Chemikalien für die in Brasilien hergestellten Arzneien aus Indien und China importiert werden - Länder, die Verträge zum Patentschutz nicht unterzeichneten, somit billig verkaufen können.

Dem brasilianischen Beispiel folgend haben besonders afrikanische Länder beim Globalen Fonds Aidshilfsprogramme eingereicht, um dessen finanzielle und organisatorische Unterstützung zu erlangen. Hochrechnungen ergeben, dass die Nichtbehandlung von HIV in Afrika in vier bis fünf Generationen zu einer Halbierung des Bruttonationalprodukts führen würde.

Neben wirtschaftlichen werden auf dem Kongress kommende Woche aber primär wissenschaftliche Aspekte diskutiert. Vermutlich auch eine neue Studie, die laut Presse im Fachblatt Cell publiziert wurde: Mäuse - die eigentlich nicht von HIV befallen werden - haben ein Protein, das Aidsviren in den buchstäblichen Wahnsinn treibt: Es schreibt den Gencode des Erregers um, verwandelt jedes "G" (der Erbgutbaustein Guanin) in ein "A" (Adenosin). Folge: eine Hypermutation des Virus, die seine Infektiosität lähmt. Ein Ansatz für eine neue Therapie, falls man das Mäuseprotein in den Menschen bringt. (fei, ogw/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 12./13. 7. 2003)

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