Rumänien privatisiert Güterbahn

6. Februar 2013, 14:27
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Bukarest sucht nach einem strategischen Investor für 51 Prozent der Anteile. DerVerkauf ist bis Mitte Juni 2013 angestrebt

Bukarest - Rumänien will die staatliche Güterbahn CFR Marfa mehrheitlich privatisieren. Der Oberste Sicherheitsrat (CSAT) hat den Verkauf von 51 Prozent der Anteile bewilligt, heute hat Wirtschaftsminister Daniel Chitoiu die Privatisierung offiziell gestartet.

Als Kaution für die Teilnahme an der Ausschreibung müssen zehn Millionen Euro hinterlegt werden, also rund 17 Prozent des nominellen Werts der CFR-Marfa-Aktien. Dadurch will der Staat vermeiden, dass die Privatisierung, wie kürzlich im Falle des Chemiewerks Oltchim, an der Zahlungsunfähigkeit des Käufers scheitert. Präsident Traian Basescu hatte eine Privatisierung ohne eine derartige Kaution abgelehnt, weil "daran jeder teilnehmen könnte, um eine TV-Show zu veranstalten". Damit spielte er auf das Angebot des TV-Magnaten und populistischen Politikers Dan Diaconescu an, der im Vorfeld der Parlamentswahl versprochen hatte, das Chemiewerk Oltchim "für das Volk" zu kaufen und die Ausschreibung zwar gewann, den tatsächlichen Kauf aber anschließend verweigerte.

Auflagen durch Kreditabkommen

Der Verkauf soll - auch infolge der Auflagen im Rahmen des laufenden Kreditabkommens mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF), der Weltbank und der EU - bis Mitte Juni 2013 abgeschlossen sein. Laut Transportminister Relu Fenechiu, der CFR Marfa als "ein für Rumänien strategisches Unternehmen" bezeichnete, soll bis Mitte Mai die Liste der Angebote erstellt werden, die Bekanntgabe des Gewinners ist für den 20.Mai geplant. "Ich hätte mir gewünscht, dass Rumänien dieses Unternehmen nicht privatisiert (...) und es mit einer privaten Minderheitsbeteiligung ein staatliches Unternehmen bleibt. Heute kann aber aufgrund der finanziellen Situation davon nicht mehr die Rede sein", so Fenechiu.

Um die Gesellschaft für Investoren attraktiv zu machen, verhandle man derzeit mit der EU über einen Erlass der Schulden beim Staat durch Umwandlung in Aktien. Die rumänische Güterbahn hat laut Fenechiu Verluste in Höhe von über 50 Millionen Lei (über elf Millionen Euro) und Schulden in Höhe von 2 Mrd. Lei (45 Mio. Euro). Der Transportminister machte keine genauen Angaben zum erwarteten Verkaufserlös, sprach aber von einem "sehr hohen Preis". Presseberichten zufolge rechnet das Ministerium mit einem Verkaufspreis von 270 Millionen Lei (61 Millionen Euro). (APA, 6.2.2013)

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