Touristiker suchen händeringend Personal

6. Februar 2013, 14:04
303 Postings

Die Tourismusbranche ist auf der Suche nach Mitarbeitern. Auch Reinigungskräfte und Elektroinstallateure sind gefragt

Wien – Die vergangene Woche veröffentlichten Arbeitsmarktzahlen waren alarmierend. Der Wintereinbruch und eine schwache Konjunkturentwicklung haben die nationale Arbeitslosenquote im Jänner auf den Rekordwert von 9,1 Prozent steigen lassen. Wem das ein Trostpflaster ist: Österreich hat im EU-Vergleich weiterhin die niedrigste Arbeitslosenrate.

Auch die Chancen für Jobsuchende waren zumindest im Vorjahr intakt, heißt es heute in einer Aussendung des AMS (Arbeitsmarktservice). Die Nachfrage nach Arbeitskräften blieb demnach trotz geringerer wirtschaftlicher Dynamik auf hohem Niveau. 2012 wurden dem AMS insgesamt 408.285 freie Stellen gemeldet, das waren um 8.283 oder zwei Prozent weniger als im Jahr 2011.

Tourismusjobs am stärksten nachgefragt

Was die Freude an den passablen Zahlen für manchen Arbeitssuchenden angesichts der schwierigen konjunkturellen Lage trüben mag: Begehrt waren Arbeitskräfte in vielfach heftig umstrittenen Branchen. "Tourismusjobs waren die Spitzenreiter der 2012 am stärksten nachgefragten Berufe", erklärt AMS-Vorstand Johannes Kopf. So wurden bei Kellnern fast 28.000 Stellenzugänge registriert, bei Gasstättenköchen waren es weit über 18.000.

Die Zahlen seien in erster Linie auf das stark überdurchschnittliche Wachstum der Branche zurückzuführen – im Gegensatz zum Stellenabbau etwa im öffentlichen Dienst, in der Landwirtschaft oder in der Industrie, heißt es seitens der Hoteliervereinigung. Weil die Zahl der Betten in der 4- und 5-Sterne-Hotelleriein den letzten zehn Jahren um über 30 Prozent gestiegen ist, waren immer mehr Mitarbeiter nötig.

Dass so viele Stellen in der Tourismusbranche unbesetzt blieben, könnte aber auch an den Arbeitsbedingungen liegen. Die Gewerkschaft vida beklagt in regelmäßigen Abständen schlechte Bezahlung und Verstöße gegen das Arbeitszeitgesetz. Die Arbeitgeber weisen dies ebenso regelmäßig zurück. Laut einer Umfrage der vida verdienen Beschäftigte im Tourismus monatlich im Durchschnitt 1.110 Euro netto, Arbeitnehmer in anderen Sektoren kommen auf 1.420 Euro. "Ein Blick auf die Garantielöhne im Wiener Tourismus zeigt, dass ein Oberkellner mit fünf Untergebenen nach elf Dienstjahren 1.500 Euro monatlich bekommt", rechnete die vida im Vorjahr vor.

Die heimischen Hoteliers sehen sich – wie sie im vergangenen Herbst kundtaten aber ohnedies international nach Personal um in Spanien, Griechenland und Portugal. Ein Vorgehen, das die Gewerkschafter erst recht erzürnt. Sie wissen von unregelmäßigen Arbeitszeiten, nicht eingehaltenen Dienstplänen und zig unbezahlten Überstunden zu berichten. (Siehe dazu auch: "Mitarbeiter bis aufs Letzte ausquetschen").

Elektroinstallateure und Lagerarbeiter

Die Statistik des AMS kann man wohl unterschiedlich interpretieren: Die Tourismusbranche ist für Arbeitnehmer besonders unattraktiv. Kein anderer Bereich hatte 2012 so große Probleme mit der Jobbesetzung wie die Tourismusbetriebe. Oder aber man sieht es durch die Augen der Hotellierie: "Es entscheiden sich Jahr für Jahr überdurchschnittlich viele junge Leute für den Tourismus: Der Anteil der Tourismusbeschäftigten an den Gesamtbeschäftigten ist in den letzten Jahren von 4,8 auf 5,4 Prozent gestiegen. Es muss also deutlich unbeliebtere Branchen geben als den Tourismus."

Abseits vom Tourismus wird übrigens auch händeringend gesucht: Gefragt sind laut AMS-Vorstand Kopf Reinigungskräfte, Warensortierer, Verkäufer, Elektroinstallateure und Lagerarbeiter. Insgesamt wurden im Vorjahr 408.285 freie Stellen gemeldet. "Die Besetzung der Stellen erfolgte in der Regel sehr rasch. 72 Prozent der Stellen konnten bereits innerhalb eines Monats besetzt werden, 23 Prozent der Stellenbesetzungen erfolgten innerhalb von drei Monaten, bei vier Prozent der Stellen dauerte die Besetzung bis zu sechs Monate und nur bei einem Prozent länger," rechnete Kopf vor. (red, derStandard.at, 6.2.2013)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Schwere Arbeit, wenig Geld: Personal hat es in der Tourismusbranche nicht ganz leicht.

     

Share if you care.