Nach Säureattacke: Gegen Ensemble wird ermittelt

6. Februar 2013, 12:52
2 Postings

Ballettchef Filin zur Behandlung in Deutschland - Offene Konflikte rund um Theaterdirektion

Moskau - Drei Wochen nach dem Säureanschlag auf den Ballettchef des Moskauer Bolschoi Theaters, Sergej Filin (42),  ermittelt die Polizei offenbar gegen Verdächtige im Ensemble. Es gebe eine Reihe von Mitarbeitern, die zum Kreis der möglichen Täter gehörten,  meldete die Agentur Interfax am Freitag unter Berufung auf die Polizei. Namen wurden nicht genannt. Die Ermittler sehen den Hintergrund für den Angriff auf Filin in seiner Arbeit als Chef der mit 220 Tänzern weltweit größten Balletttruppe.

In Bolschoi brach unterdessen offen ein Konflikt zwischen der Intendanz und dem 39 Jahre alten Startänzer Nikolai Ziskaridse aus. Die Seiten beschuldigten sich gegenseitig, eine Atmosphäre geschaffen zu haben, die den Anschlag auf Filin ermöglicht habe.

Intendant Anatoli Iksanow gab Ziskaridse in einem Interview indirekt die Schuld an dem Überfall. Die "Tragödie" um Filin sei nur möglich gewesen vor dem Hintergrund von Ziskaridzes "Anwürfen gegen das Theater und dessen Personal, der konstanten Intrigen und seiner Sicherheit, ungestraft davonzukommen".

  Iksanow sagte, es gebe zudem "keinen Zweifel", dass Ziskaridze in eine Schmutzkampagne gegen den ehemaligen Tänzer Gennadij Janin verwickelt war. Janin, damals designierter Ballettchef, musste 2011 zurücktreten, nachdem Fotos von einer schwulen Sex-Orgie im Netz verbreitet wurden, an der er angeblich beteiligt war.

Ziskaridze wies die Vorwürfe entschieden zurück. Er habe keine Verbindung zu dem Säureangriff auf Filin "außer Mitgefühl für Sergej. Auch mit der Schmutzkampagne gegen Janin habe er nichts zu tun, er sei vielmehr lange Jahre mit dem Tänzer befreundet gewesen. Ziskaridse wiederum warf der seit Jahren von ihm scharf kritisierten Theaterleitung vor, das Haus wie zu Zeiten von Sowjetdiktator Josef Stalin zu führen.

Das Bolschoi will nun rechtliche Schritte gegen Ziskaridze prüfen.  Der am 17. Jänner bei dem Anschlag schwer verletzte Filin - der ehemalige Weltklasse-Tänzer erlitt Verätzungen dritten Grades im Gesicht und an den Augen -  unterzog sich unterdessen im deutschen Aachen einer neuen Augenoperation.  (APA, 8.2.2013)

Share if you care.