Deutschland: Tochter darf Namen von Samenspender erfahren

6. Februar 2013, 13:55
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In Österreich haben betroffene Kinder ab dem 14. Lebensjahr Anspruch auf Daten über ihren leiblichen Vater

Eine Frau hat im deutschen Bundesland Nordhrein-Westfalen die Preisgabe des Namens ihres biologischen Vaters erwirkt. Das Oberlandesgericht Hamm gab der 21-Jährigen das Recht, den bisher anonym gebliebenen Samenspender kennenzulernen. Das Gericht bestätigte das Urteil am Mittwoch.

Die Frau erfuhr vor vier Jahren, dass sich ihre Mutter 1990 künstlich befruchten hatte lassen. Seither kämpfte sie gemeinsam mit dem Verein "Spenderkinder" für das Wissen um die eigene Abstammung. Obwohl ihrem Wunsch nach erstinstanzlichem Misserfolg in Essen nun stattgegeben wurde, muss sie die Identität ihres Erzeugers nicht unbedingt erfahren. Der damals behandelnde Arzt versichert nämlich, dass keine Daten der "heterologen Insemination" mehr vorliegen.

Kenntnis um Herkunft ist ein Persönlichkeitsrecht

Erst 1989 hatte der Bundesgerichtshof in Karlsruhe entschieden, dass die Kenntnis um die genetische Herkunft ein Persönlichkeitsrecht ist. Eine bindende Dokumentation der Spenderdaten wurde daraus bis heute nicht gesetzlich verankert. Nur um "bei Infektionserkrankungen den Weg zur Infektionsquelle zurückverfolgen zu können" müssen seit 2007 die Unterlagen zumindest 30 Jahre lang aufbewahrt werden.

Das aktuelle Urteil könnte sich in Deutschland als Präzedenzfall erweisen. In der Folge wären nachhaltige Auswirkungen auf die bisherige Regelung bei Unterhalts- und Erbschaftsansprüchen denkbar.

Der 14. Geburtstag kann Tag der Wahrheit sein

In Österreich ist eine Auskunftsverweigerung gegenüber dem Nachwuchs grundsätzlich nicht vorgesehen. Das Fortpflanzungsmedizingesetz von 1992 erlaubt jedem "mit dem Samen eines Dritten gezeugten Kind" ab dem vollendeten 14. Lebensjahr, die Identität des Spenders kennenzulernen. Die Krankenanstalten müssen den vollständigen Namen, Geburtstag und -ort, Staatsbürgerschaft und Wohnort des Spenders sowie die Vor- und Familiennamen seiner Eltern erfassen und zumindest 30 Jahre aufbehalten.

Diese Auskunftspflicht halte laut dem Präsidenten der Österreichischen Gesellschaft für In Vitro Fertilisierung und Assistierte Reproduktion (IVF) auch viele Männer davon ab, Samen zu spenden: "Wenn ich den Männern die Bedingungen erläutere, haben sie meist kein Interesse mehr", sagte Freude gegenüber dem STANDARD.

"Personen verschiedenen Geschlechts"

Die künstliche Reproduktion ist in Österreich rechtmäßig nur Ehepaaren oder "Lebensgemeinschaft von Personen verschiedenen Geschlechts" erlaubt. Der Samen Dritter darf für die "medizinisch unterstützte Fortpflanzung" auch nur dann verwendet werden, wenn das Sperma des Partners nicht fortpflanzungsfähig ist. Ein solcher Spendersamen darf in höchstens drei Ehen oder eheähnlichen Lebensgemeinschaften verwendet werden. (mm, derStandard.at, 6.2.2013)

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    Bei einer medizinisch unterstützten In-Vitro-Fortpflanzung (IVF) wird der Samen eines Mannes und ein Ei seiner Partnerin vereinigt. Im Bild ist die Variante Intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI) zu sehen.

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    Nur wenn der Mann unfruchtbar ist, darf Spendersamen eines Dritten verwendet werden. Das Fortpflanzungsmedizingesetz erlaubt es dem Kind ab dem vollendeten 14. Lebensjahr, die Identität des Erzeugers zu erfahren.

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