ArcelorMittal macht Milliardenverlust

Der weltgrößte Stahlhersteller hat im Schlussquartal 2012 knapp vier Milliarden US-Dollar Verlust gemacht

Luxemburg - Die schwache globale Wirtschaft hat den weltgrößten Stahlkonzern ArcelorMittal zum Jahresende tief in die roten Zahlen gerissen. Unter dem Strich stand im vierten Quartal ein Verlust von knapp vier Milliarden US-Dollar (2,95 Milliarden Euro). Unternehmenschef Lakshmi Mittal sprach am Mittwoch von einem "sehr schwierigen Jahr" für die Stahlindustrie. Vor allem in Europa sei die Nachfrage nach Stahl um weitere 8,8 Prozent gesunken. Auch 2013 werde herausfordernd, auch wenn es einige zaghafte positive Anzeichen auf Besserung gebe. Das laufende Quartal werde klar besser als das jüngst abgeschlossene, sagte er in einer Telefonkonferenz.

Weltgrößter Stahlhersteller

Die Aktie stieg am frühen Nachmittag um über zwei Prozent, die deutschen Stahlwerte ThyssenKrupp und Salzgitter schlugen sich besser als der Markt. Der weltgrößte Stahlhersteller schnitt im vierten Quartal besser ab als befürchtet, hieß es am Markt. Positiv sei zudem der leichte Optimismus des Konzerns für 2013. Analysten bewerten die Zahlen und den Ausblick von ArcelorMittal indes kritischer als die Anleger.

Er rechne damit, dass das Stahlgeschäft dieses Jahr profitabler wird, sagte Mittal weiter. Die Stahlauslieferungen sollen um zwei bis drei Prozent steigen, das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) soll über dem Niveau des Vorjahres liegen. In Europa werde die Stahlnachfrage dieses Jahr voraussichtlich um ein Prozent sinken - im Rest der Welt dagegen um sieben Prozent zulegen, sagte Mittal. "Wenn wir in Europa wieder auf Wachstumskurs sind, können wir auch wieder profitabel arbeiten." Die Dividende wird 2013 von 75 auf 20 US-Cent pro Aktie gekürzt.

Im vierten Quartal musste ArcelorMittal einen Verlust von knapp vier Milliarden US-Dollar hinnehmen. Im Vorjahr hatte sich das Minus auf eine Milliarde Dollar belaufen. Ende Dezember hatte der Stahlkonzern 4,3 Milliarden Dollar auf sein Europageschäft abschreiben müssen. Operativ (EBITDA) sackte der Gewinn von Oktober bis Dezember von 1,7 auf gut 1,3 Milliarden Dollar ab und lag damit leicht über den Erwartungen der Analysten. Der Umsatz gab um 14 Prozent auf 19,3 Milliarden Dollar nach. Bei Umsatz und Gewinn übertraf ArcelorMittal ebenfalls die Erwartungen der Analysten.

Minus zehn Prozent Umsatz

Im gesamten vergangen Jahr steht der Stahlkocher mit rund 3,7 Milliarden Dollar in den roten Zahlen. 2011 hatte er noch einen Gewinn von knapp 2,3 Milliarden Dollar erwirtschaftet. Der Jahresumsatz sank um zehn Prozent auf gut 84 Milliarden Dollar.

Als Reaktion auf die schwache Nachfrage hat ArcelorMittal seit längerem in Europa nur 16 von ursprünglich 25 Hochöfen in Betrieb. Je zwei Öfen im lothringischen Florange und im belgischen Lüttich sind bereits dauerhaft ausgeblasen. Zudem legt der Stahlkocher mehrere Produktionslinien in und um Lüttich still. Weitere Schließungen von Anlagen seien in Europa nicht geplant: Die Restrukturierungen seien ausreichend, sagte Finanzchef Aditya Mittal. Die Beschäftigungszahl weltweit sank innerhalb eines Jahres um 16.000 auf 245.000.

Aditya Mittal bestätigte, dass sein Konzern Interesse an dem zum Verkauf stehenden Stahlwerk von ThyssenKrupp im US-Bundesstaat Alabama habe. "Wir sind an der Anlage interessiert." Nach Medienberichten hat der Konzern ein Angebot von 1,5 Milliarden Dollar abgegeben. Dies wollte Mittal weder dementieren noch bestätigen.

ArcelorMittal steht auf vielen Seiten unter Druck. So macht dem Konzern der Preisverfall und die schwache Nachfrage in seinem Kerngeschäft Stahl zu schaffen. Das trifft auch die deutschen Konkurrenten ThyssenKrupp und Salzgitter. (APA, 6.2.2012)

Share if you care
2 Postings
oje da werden aber ein paar Oligarchen weinen müssen

mein Mitleid haben sie auf jeden Fall

weinen werden da wohl eher die Arbeitnehmer, die schlechte Ergebnisse immer als erste ausbaden müssen ...

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.