Tuareg melden Einnahme einer Stadt in Ostmali

6. Februar 2013, 14:11
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Menaka angeblich unter Kontrolle der MNLA - Frankreich will ab März Truppen reduzieren

Kämpfer der malischen Tuareg-Rebellengruppe MNLA (Mouvement National pour la Libération de l'Azawad, Nationale Bewegung für die Befreiung des Azawad) haben laut Angaben eines Sprechers der Organisation die Stadt Menaka im Osten des afrikanischen Staates eingenommen.

"Unsere Truppen sind in Menaka einmarschiert", sagte MNLA-Sprecher Ibrahim Ag Mohamed Assaleh zu Reuters. Er gab an, die malische Armee sei unfähig, das Territorium außerhalb der Provinzhauptstat Gao zu sichern. In der Umgebung von Menaka seien weiterhin Kämpfer der islamistischen Gruppen Ansar Dine und MUJWA aktiv, weshalb man beschlossen habe, alle Städte, die nicht gesichert seien, zu besetzen.


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Eine unabhängige Bestätigung der Angaben des Tuareg-Sprechers war vorerst nicht möglich. Die malische Armee wirft den Tuareg-Rebellen vor, mit übertriebenen Angaben über Gebietsgewinne eine gute Verhandlungsposition bei Gesprächen über eine mögliche Autonomie absichern zu wollen.

Franzosen loben Tuareg

Zumindest in der 250 Kilometer nördlich von Menaka gelegenen Tuareg-Hochburg Kidal arbeiten Tuareg-Kämpfer mit den französischen Invasionstruppen zusammen. Verteidigungsminister Jean-Yvers Le Drian sprach im Fernsehen von "funktionierenden Beziehungen", die MLNA übernehme Vermittlungsaufgaben für die Franzosen.

Ein französischer Diplomat, der nicht genannt werden wollte, bestätigte gegenüber Reuters, dass die Militärs die Zusammenarbeit mit den Tuareg suchen, weil die 4000 Mann starke Interventionstruppe nicht groß genug sei, um die Region abzusichern: "Wir geben ihnen Aufträge, die sie bisher ganz gut erfüllen. Dass sie über so viele Kämpfer und Waffen verfügen, hat uns selbst überrascht."

Verhandlungen nur ohne Abspaltung

Frankreich hat Malis Regierung aufgefordert, mit den Tuareg über eine friedliche Lösung des Konflikts zu verhandeln. Interimspräsident Dioncounda Traore will allerdings nur mit der MNLA reden, wenn diese verspricht, keinen unabhängigen Staat mehr anzustreben.

Bei der malischen Bevölkerung stoßen Verhandlungen zwischen Regierung und Tuareg-Rebellen auf wenig Begeisterung: viele werfen der MLNA vor, zumindest eine Teilschuld am derzeitigen Konflikt zu tragen, vor dem bisher 400.000 Menschen flohen.

Ehemalige Verbündete

Nach dem Militärputsch gegen Präsident Amadou Toumani Toure im März 2012 hatte die MNLA gemeinsam mit mehreren Islamistengruppen  den Norden Malis erobert. Kurz darauf  riefen sie dort die unabhängige Islamische Republik Azawad aus. Nach ihrem Sieg zerstritten sich Tuareg und Islamisten.

Kämpfe bei Gao

In der Gegend um Gao im Nordosten Malis kam es am Dienstag zu  Zusammenstößen von malischen und französischen Soldaten mit islamistischen Gruppen. Französische Streitkräfte hätten sichmit malischen Soldaten auf Patrouille befunden, als sie auf einheimische islamistische Kämpfer getroffen seien, sagte Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian am Mittwoch dem Sender Europe 1. Es sei zu Zusammenstößen gekommen und Islamisten hätten in der Region um Gao Raketen abgefeuert. Le Drian sprach von einem "richtigen Krieg mit bedeutenden Verlusten" in Mali.

Hunderte Tote seit Jänner

Bei Angriffen der französischen Luftwaffe und Kämpfen seien seit dem 11. Jänner mehrere hundert Islamisten getötet worden, teilte das Verteidigungsministerium in Paris am Dienstagabend mit. Auf französischer Seite habe es einen Toten gegeben - einen zu Beginn der Militärintervention getöteten Hubschrauberpiloten. Nach Angaben von Außenminister Laurent Fabius könnten die Truppen ab März bereits wieder abziehen.

"Ich glaube, von März an, geht alles nach Plan, wird die Zahl der französischen Truppen fallen", sagte Außenminister Laurent Fabius laut Pariser Medien. Frankreich werde inzwischen weiter im Norden aktiv bleiben, wo es weiter einige Hochburgen der Rebellen gebe, so Fabius. Derzeit sind in Mali fast 4.000 französische Soldaten stationiert. Truppen der Westafrikanischen Staatengemeinschaft ECOWAS sollen sie bald ablösen. (APA/Reuters/red, derStandard.at, 6.2.2013)

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    Tuareg-Kämpfer an der Straße zwischen Diabaly und Timbuktu, 30. Jänner. Zumindest in der 250 Kilometer nördlich von Menaka gelegenen Tuareg-Hochburg Kidal arbeiten Tuareg-Kämpfer mit den französischen Invasionstruppen zusammen. Die Aktion in Menaka ist nicht akkordiert.

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