Surface Pro: Gut als Notebook, schwach als Tablet

6. Februar 2013, 10:19
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Erste Tests loben Verarbeitung, Performance und Display - Akkulaufzeit enttäuscht

Nach dem Surface RT hat Microsoft in den USA nun auch das Surface Pro startklar gemacht, der am 9. Februar in den Handel kommt. Ab 900 Dollar dürfen Kunden beim Hybriden aus Tablet und vollwertigem PC Hand anlegen. Erste Tester loben das Gerät, das insbesondere mit guter Verarbeitung und hochauflösendem Bildschirm glänzt. Jedoch bringt das Surface auch nicht zu übersehende Schwachpunkte mit, die insbesondere den Tabletbetrieb treffen.

"VaporMg" überzeugt

Verarbeitungstechnisch, da sind sich die ersten Stimmen von AllThingsD, Wired und Engadget einig, ist alles in Butter. Das Surface Pro sieht seinem RT-Bruder zum Verwechseln ähnlich, setzt es doch auf das gleiche "VaporMg"-Case aus Metall und Magnesium und besitzt fast exakt das selbe Längen- und Breitenmaß (27,5 x 17,3 cm). Es ist mit einer Dicke von 1,35 cm) jedoch merkbar dicker als die Variante mit Windows RT.

Passable Hardwareausstattung

Dafür erhält man aber auch wesentlich mehr Leistung, steckt doch vollwertige Hardware anstelle von sparsamen Komponenten für Mobilgeräte in dem Convertible. Unter der Haube werkt ein Intel Core i5-Prozessor der dritten Generation mit integrierter HD 4000-GPU. Das System bringt vier Gigabyte Arbeitsspeicher mit. Für die Verbindung zu anderen Geräten und ins Web sind Bluetooth 4.0 und ein WLAN-Modul nach n-Standard an Bord.

Speichermangel

Erhältlich ist es mit 64 oder 128 GB Gesamtspeicherplatz, Microsoft weist in den Spezifikationsangaben des Produktes darauf hin, dass vorab vom System schon ein "signifikanter Anteil" davon belegt ist. In der Praxis bedeutet dies, dass die 64 GB-Variante dem User rund 23 GB für seine Daten lässt, die 128 GB-Fassung bietet de facto 83 GB. Ein bereits im Vorhinein angesprochener Punkt, an dem die Tester auch Kritik üben. Immerhin, über den USB 3.0 Anschluss kann auch eine externe Festplatte angehängt werden, zusätzlich wird auch ein microSXDC-Slot geboten.

Für den Grundpreis, der bei der größeren Fassung um 100 Dollar höher liegt, erhält man das Gerät ohne Tastatur. Wer auch das Touch- oder das taktile Type-Cover haben möchte, wird mit weiteren 120 bzw. 130 Dollar zur Kasse gebeten. Microsoft setzt also nicht unbedingt auf das Konzept Kampfpreis.

Full HD-Display mit Digitizer überzeugt

Im positiven Sinne einig ist man sich aber beim Display. Während der Surface RT eine Auflösung von 1.366 x 768 Pixel bietet, was in etwa dem aktuellen Tablet-Durchschnitt entspricht, bringt der Screen der Pro-Ausgabe 1.920 x 1.080 Pixel und somit Full HD-Auflösung auf 10,6 Zoll unter. Eine gute Entscheidung, sorgt das doch für klar lesbaren Text und ein angenehmes Filmerlebnis. "Es erreicht nicht ganz die Qualität des Retina-Displays [Anm.: des neuen iPads], aber ich konnte kaum einen Unterschied zwischen den beiden feststellen", heißt es etwa bei Wired.

Als praktisch erweist sich auch der integrierte Digitizer, dessen Vorteile bei der Verwendung des mitgelieferten, druckempfindlichen Stifts zum Vorschein kommen. Insbesondere für das schnelle Anlegen von Notizen und Skizzen erweist sich das Eingabegerät als sehr praktisch. Etwas problematisch ist, dass der Stift nicht über einen eigenen Einschub verfügt, sondern magnetisch am Stromanschluss haftet, was die Verlustgefahr beträchtlich erhöht.

Leichte Arbeitsmaschine ohne vorinstalliertem Office

Als Alternative zu Laptop und Ultrabook macht der Surface Pro Freude. Da konventionelle Hardware und Windows 8 Pro im Einsatz sind, können beliebig Windows-Programme installiert werden, die auch flott laufen. In Sachen Leistung gibt sich das Gerät keine Blöße und eignet sich gut als Arbeits- und Multimediamaschine, die auch mit aufwendigerer Software wie dem Adobe Illustrator gut zurande kommt. Während der Surface RT eine angepasste Version von Office mitbringt – auch wenn diese offiziell nur zur nichtkommerziellen Nutzung freigegeben ist – fehlt Microsofts Büropaket bei der Pro-Variante und muss separat erworben werden.

Etwas mehr als 900 Gramm wiegt das Surface (ohne Cover) und ist für einen Laptop-Ersatz damit ausgesprochen schlank. Als reines Pad ist es damit nach Meinung der Rezensenten im Dauerbetrieb jedoch zu schwer und unhandlich, zumal es größer dimensioniert ist, als die Tablet-Konkurrenz und auch die in den Bildschirm integrierte Stütze nur auf einem Tisch wirklich gut funktioniert. "Es ist kein mobiles Gerät, sondern ein portables Gerät", wie Wired feststellt.

Enttäuschende Akku-Performance

Sorgen bereitet jedoch ein anderer Aspekt: Die Akkulaufzeit. In diesem Punkt entäuscht das Surface Pro auf ganzer Linie. Während naturgemäß nicht zu erwarten ist, dass es der Hybrid hier mit dem iPad oder Android-Tablets aufnehmen kann, die dank der leistungsärmeren Hardware gut und gerne acht Stunden oder länger durchhalten, zieht Microsofts Produkt auch der direkten Konkurrenz gegenüber klar den Kürzeren.

Engadget hat die Zeiten verschiedener Geräte bei einem Video-Dauertest ermittelt. Das Acer Iconia 700W, das in Sachen Spezifikationen und Preis dem Surface wohl am nächsten kommt, bringt es dabei auf beachtliche sieben Stunden und dreizehn Minuten, bevor die Lichter ausgehen. Trotz 42,5 Wh-Akku – eine deutliche Aufwertung zur RT-Ausgabe – gibt das Surface sich nach drei Stunden und 46 Minuten bereits geschlagen. Und liegt damit auch ein bis zwei Stunden hinter den meisten anderen Convertibles. Ob hier softwareseitig noch nachgebessert werden kan, bleibt abzuwarten.

Schwache Kameras

Eher wenig Freude machen auch die beiden HD-Kameras. Die Fotos sind generell stark verrauscht und tendenziell entweder ausgewaschen oder zu dunkel, wie man bei Engadget anmerkt. Videos weisen ähnliche Mängel auf und sind zudem mit einem eigenartigen, summenden Grundton unterlegt.

Als Notebook praktisch, als Tablet nicht

Summa summarum liefert Microsoft mit dem Surface Pro ein solides Gerät für all jene, die sich eine tragbare, schlanke Alternative zu einem konventionellen Laptop oder Ultrabook wünschen und nicht unbedingt darauf angewiesen sind, lange Zeit ohne Steckdose auszukommen. Auch als Gelegenheits-Tablet macht es noch eine passable Figur, wenn auch mit Einschränkungen. Hier spielt das Device seine Stärken in Form des guten und hochauflösenden Displays und dem integrierten Digitizer gut aus.

Wer sich jedoch ein Marathongerät erhofft oder seinen Rechner gern länger in der Hand hält, muss wohl zu Alternativen greifen. Der Kompromiss aus beiden Welten ist auf Seiten des Notebooks deutlich besser gelungen. (red, derStandard.at, 06.02.2013)

  • Als Notebook-Alternative macht das Surface Pro eine weitgehend gute Figur, als Tablet kann es aber nicht überzeugen.
    foto: microsoft

    Als Notebook-Alternative macht das Surface Pro eine weitgehend gute Figur, als Tablet kann es aber nicht überzeugen.

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