Schwedenbomben-Produktion geht weiter

Factoring-Finanzierung bringt Geld zur Abwicklung von Aufträgen des Handels - Derzeit große Nachfrage nach Schwedenbomben

Wien - Der Wiener Schwedenbomben-Hersteller Niemetz kann trotz schwerer monetärer Turbulenzen vorerst weiterproduzieren. Der Grund dafür ist eine nun in die Wege geleitete Factoring-Finanzierung, die dem Unternehmen schnelle Liquidität verschafft, sagte Werner Albeseder, Geschäftsführer des Kommunikations- und Finanzierungsberaters Prime Corporate Finance, der Niemetz betreut. In wenigen Tagen würden die Regale im Handel wieder mit den süßen Bomben befüllt sein, kündigte er an.

Grundsätzlich versteht man unter Factoring den Verkauf von Forderungen. Dabei verkauft der Gläubiger seine offenen Forderungen an eine dazwischengeschaltete Bank. Der Gläubiger erhält dabei einen Großteil der Forderung von der Bank bezahlt, zum Beispiel 80 Prozent. Die restlichen 20 Prozent werden erst ausgezahlt, wenn der Schuldner seine offenen Rechnungen beglichen hat. Die zwischengeschaltete Bank verrechnet für das Factoring eine Gebühr.

Nicht zuletzt dank der Unterstützung tausender Schwedenbomben-Fans im Internet waren die Niemetz-Produkte in vielen Supermärkten zuletzt ausverkauft. "Das Unternehmen ist derzeit gesegnet mit Zusatzbestellungen, weil die Nachfrage besonders groß ist", berichtete Albeseder. Allerdings habe man in der jüngsten Zeit wegen der finanziellen Schieflage auch Schwierigkeiten bei der Produktion gehabt.

"Überleben im Vordergrund"

"Diese Probleme sind jetzt gelöst", sagte der Niemetz-Berater mit Blick auf die Factoring-Finanzierung. Details wollte er nicht nennen, durch das Modell bekommt die Firma jedenfalls schnelles Geld, um Aufträge des Handels erledigen zu können. Dadurch sei die Produktion für die nächsten Wochen und Monate gesichert.

Die Bezahlung der ausstehenden Gehälter von Mitarbeitern werde über den Insolvenzfonds abgewickelt, sagte Albeseder. Für konkrete Pläne zur grundlegenden Erneuerung der Marketingstrategie, deren Vernachlässigung laut Experten mitschuld an den Turbulenzen des Wiener Traditionsbetriebs ist, sei es jetzt noch zu früh: "Momentan steht das akute Überleben im Vordergrund."

Niemetz will das Sanierungsverfahren beziehungsweise die Rettung des Unternehmens selbst stemmen. Handelsfachleute bezweifeln allerdings, dass die Schwedenbombe ohne starken Partner überleben kann.

Solidaritätsbekundungen

Im Namen der Firma bedankte sich auch der Masseverwalter der insolventen Schwedenbombenfirma, Stephan Riel, für "zahlreiche Solidaritätsbekundungen, vor allem bei den Mitgliedern der Facebook-Gruppe 'Rettet die Niemetz Schwedenbomben'". "Die beste Unterstützung für die Firma Niemetz liegt im Verzehr ihrer Produkte", so Riel. Die Fan-Gruppe ist innerhalb weniger Tage explosionsartig auf inzwischen über 35.000 Mitglieder angestiegen.

In einer schriftlichen Stellungnahme ließ er ausrichten, dass das Unternehmen unter seiner Aufsicht fortgeführt wird und die Produktion vorerst sichergestellt ist. Man sei bemüht, die stark angestiegene Nachfrage "raschest" zu befriedigen. (APA/red, derStandard.at, 6.2.2013)

  • Berechnen Sie Ihr Brutto- oder Netto-Gehalt mit dem Brutto-Netto-Rechner von derStandard.at/Karriere
Share if you care