Kontra WM-Eröffnung mit Österreich-Klischees: Fremdschämen

Kommentar5. Februar 2013, 19:14
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Es gibt Momente im Leben, da schämt man sich für seine Staatsangehörigkeit. Ein solcher war die Eröffnungsfeier der Ski-WM. Außer Mozartkugeln und dem Hinweis auf die immerwährende Neutralität wurde kein Klischee ausgelassen. Von Lipizzanern bis zur Volkstanzgruppe wurden alle Österreich-Bilder bedient. Besonders originell waren die Hymnen "Es lebe der Sport" und "Schifoan". Dass bei Andreas Gabalier das Playback um einen Tick zu früh einsetzte, fügte sich ins musikalische Gesamtbild.

Hermann Maier als Stargast ist einleuchtend. Warum aber neben dem "Herminator" noch der "Terminator" auftritt, nicht. Vor nicht allzu langer Zeit war Schwarzenegger auch in seiner Heimat Persona non grata: weil er als kalifornischer Gouverneur die Begnadigung eines schwer gehirngeschädigten Mannes, der zum Tode verurteilt worden war, abgelehnt hat. Diesmal schmolzen die Herzen dahin, als der offenbar mit einem Totenkopfring im Schladminger Jopperl auftretende "Arnie" schwärmte: "Hier habe ich mit meiner geliebten Mutti viel Zeit verbracht."

Offenbar hat sich auch niemand etwas dabei gedacht, wenn die Themenabende in der Arena in Schladming Titel wie "Zeig der Zilli deinen Willi", "Super Schnitten lassen bitten" oder "Huschi Wuschi mit der Uschi" tragen. Österreich eine Kulturnation? Es ist kein Wunder, dass wir als Volk der jodelnden Alpindodeln im Ausland wahrgenommen werden, wenn wir uns so präsentieren. (Alexandra Föderl-Schmid, DER STANDARD, 6.2.2013)

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