Pro WM-Eröffnung mit Österreich-Klischees: Vor wem geschämt?

Kommentar5. Februar 2013, 19:14
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Ja, eh. Das war schon sehr dick aufgetragen, was Schladming da aufgetragen hat. Terminator & Herminator, Fendrich & Ambros, Lipizzaner & Schuhplattler, Gabalier & Beiler, Hinterseer & Schröcksnadel, am Ende noch der Donauwalzer. Davon wurden teils durchaus gelungene Lichteffekte und Videoprojektionen insgesamt schwer überschattet, keine Frage. Der Shitstorm im Internet war schnell entfacht, selbst Steirer fielen da übereinander her. Die einen wollten sich gegen Kritik von außen wehren, den anderen war das Land Steiermark nicht modern genug dargestellt.

Das Wort Fremdschämen ist umgegangen, viele haben angeblich sogar den Fernseher abgedreht, weil sie es angeblich nicht mehr ausgehalten haben. Vor wem man sich schämte, ist allerdings die Frage, es war ja nicht so, dass die Welt nach Schladming geschaut hat. Der ORF ist fast ausschließlich in Österreich zu empfangen.

Bei der Eröffnung einer Ski-WM ist niemand da, vor dem man sich präsentieren könnte. Man präsentiert sich maximal vor sich selbst. Der alpine Rennsport kurbelt vor allem Tourismus und Handel in Österreich an, beide Sparten fahren in der Werbung seit jeher am besten mit Klischees, und die meisten Kunden müssen nicht kommen, sondern sind schon im Land. Es wurde halt eine Ski-WM eröffnet. Enttäuscht wird stets die eigene Erwartung, und jene der Fremdschämer ist einfach zu hoch gewesen. (Fritz Neumann, DER STANDARD, 6.2.2013)

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