Kupfern im Weinbau

Kolumne13. Februar 2013, 12:56
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Rettet das Edelmetall unsere Reben, oder macht es uns selbige madig?

Kupfer ist in der Landwirtschaft und vor allem im Weinbau wichtig. Als vor etwa 150 Jahren Pilzerkrankungen wie Mehltau nach Europa importiert wurden und den Winzern das Leben schwermachten, rührte man die "Bordelaiser Brühe" an: Die Mischung aus Kupfersulfatlösung und gelöschtem Kalk ist höchst wirksam wenigstens gegen eine von zwei Mehltauarten, den Falschen Mehltau oder Peronospora. Kupfer ist bis heute ein unersetzlicher Wirkstoff, wenn es gegen Peronospora geht, die in feuchten, warmen Jahren ein Problem werden kann. Deshalb wird es von konventionell wie biologisch arbeitenden Betrieben eingesetzt. Natürlich sind die Zeiten der oben beschriebenen "Suppe" vorbei. Die Mengen sind streng reglementiert, weil man sich eben auch seiner negativen Seite bewusst ist.

Über Kupfer kann daher vortrefflich gestritten werden. Da wären einmal die Nicht-Bio-Winzer, die den Bio-Winzern vorhalten, dass sie bei allem Getue doch immerhin zu einem Schwermetall greifen, das sich im Boden anreichert, was nicht so ganz bio sein kann. Dem halten die Bio-Winzer entgegen, dass man in manchen Jahren witterungsbedingt überhaupt kein Kupfer einsetzen müsse, Kupfergehalte generell ständig kontrolliert werden und dass außerdem auf Teufel komm raus, wenn auch bisher erfolglos, nach Alternativen geforscht werde.

Neues Pflanzenschutzmittelgesetz

Dazu kommen sämtlich Kupfervermeidungsstrategien, die zur Verfügung stehen: beginnend bei der richtigen Rebsorte am richtigen Standort, wodurch einige Probleme gar nicht erst entstehen, bis hin zum Einsatz minimalster Mengen, und das erst, wenn sich dieser unter keinen Umständen mehr vermeiden lässt.

Nun kommt die EU als dritte Seite ins Spiel und legt im neuen Pflanzenschutzmittelgesetz fest, dass ab Inkrafttreten 2014 Mittel auf Kupferbasis reduziert werden müssen. Aufgrund dieser Vorgaben präsentierte nun die österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit AGES Vorschläge für eine Kupfer-Minimierungsstrategie. Die Bio-Winzer halten diese für bedrohlich und malen Schwärzestes an die Wand: nämlich, dass der Bio-Weinbau - und nicht nur der - gefährdet sei und das in einem Land, das sich gern als Feinkostladen Europas präsentiert. (Luzia Schrampf, Rondo, DER STANDARD, 8.2.2013)

  • Kupfer ist in der Landwirtschaft und vor allem im Weinbau wichtig.
    foto: apa/helmut fohringer

    Kupfer ist in der Landwirtschaft und vor allem im Weinbau wichtig.

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