Kämpferin für Homo-Ehe lacht gegen Kritik an

Kopf des Tages5. Februar 2013, 18:34
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Frankreichs Justizministerin Christiane Taubira verteidigt das Gesetz fast im Alleingang

Früher, als Christiane Taubira noch im Untergrund kämpfte, musste sie jeden zweiten Tag den Wohnort wechseln, um nicht verhaftet zu werden. Auf dem Rücken trug sie ihr zwei Monate altes Baby, ihr Mann saß im Gefängnis in ihrem Geburtsort Cayenne, der tropischen Hauptstadt von Französisch-Guayana in Südamerika. "Damals kämpfte ich für die Unabhängigkeit des Departements von Frankreich", erzählt die vor Energie strotzende 61-Jährige - und lacht: "Eigentlich tu ich das noch heute."

Lachen, um einer Situation die Spannung zu nehmen, lernte die Wirtschafts- und Soziologiestudentin früh. Die gesamte Rechte fiel über die Parlamentsabgeordnete der gemäßigt linken Kleinpartei PRG her, als Präsident François Hollande sie im vergangenen Juni zur neuen Justizministerin bestimmte.

Für Empörung unter den französischen Patrioten sorgte vor allem, dass Taubira 2001 ein Gesetz zum Gedenken an die Sklaverei durchgeboxt hatte - denn "la traite négrière" war nun wirklich kein Ruhmesblatt für Frankreich gewesen. "Nestbeschmutzerin" schimpfte man sie, oder " Feigenblatt" der Hollande-Regierung - weil sie eine Frau dunkler Hautfarbe ist, die alle Minderheiten verteidigt.

Auch in der Linksregierung runzelten einige die Stirn, als sich Taubira für die Rechte der Roma einsetzte. Doch die Ministerin lachte nur. Ihr geht es um die "Werte der Republik", sagt sie: Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit sind für sie, die Sklavennachfahrin, die fünf Kinder allein großgezogen hat, keine leeren Floskeln wie für so viele ihrer Politikerkollegen.

Seit mehreren Tagen vertritt sie in der Nationalversammlung das Projekt der Homo-Ehe, anfänglichen Buh- und Schmährufen setzte sie auch dabei ein Lachen entgegen. Fast eine Stunde lang erklärte sie in einem freien Vortrag, warum das französische Gleichheitsgebot erst mit dem Recht der Homosexuellen, ebenfalls zu heiraten, eingehalten werde. Die Debatte dauert mehrere Tage - und die Ministerin, die zwölf Stunden am Tag arbeitet und fünf Bücher in der Woche liest, hält darin für jeden Vorstoß der Gegenseite ein Gegenargument parat.

So verteidigt Taubira fast im Alleingang ein Gesetz, das Emotionen weckt wie selten zuvor in dieser Nationalversammlung. Plötzlich ist sie ein " Star", wie die Zeitung Libération schreibt. Und 577 Abgeordnete staunen über die kleine Frau, die ihnen zeigt, wie es geht - mit lachendem Gesicht. (Stefan Brändle, DER STANDARD, 6.2.2013)

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    Christiane Taubira, Frankreichs Justizministerin.

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