Französinnen legal in Hosen

5. Februar 2013, 18:31
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Ministerium hebt altes Verbot aus dem Jahr 1800 auf

Es hat etwas gedauert, aber jetzt ist es so weit: Auch Französinnen dürfen Hosen tragen. Das ist kein Scherz, auch wenn der entsprechende Gesetzesvorschlag in der Pariser Nationalversammlung ausgerechnet am 1. April 2010 eingereicht worden war. Zehn Abgeordnete der Mittelinkspartei PRG verlangten in der Nationalversammlung von Paris die Aufhebung eines Gesetzes aus dem Jahre 1800, das Hosenkleider dem starken Geschlecht vorbehält.

"Jede Frau, die sich wie ein Mann zu kleiden wünscht, muss sich bei der Polizeipräfektur melden, um die Bewilligung einzuholen", hieß es im Dekret. Aufgehoben wurde die Vorschrift nur in Ausnahmefällen für das Reiten eines Pferdes oder eines Fahrrads. Das prinzipielle Verbot galt noch zu Beginn des 21. Jahrhunderts, und das in einem Land, das stolz ist auf Frauenrechtlerinnen wie Simone de Beauvoir und das als eines der ersten die Pille oder den fristlosen Schwangerschaftsabbruch eingeführt hatte.

Jetzt hat das Ministerium für Frauenrechte aber resolut geschaltet: Nach einem neuen Erlass, der am 31. Januar auf Seite 399 des nationalen Amtsblattes veröffentlicht worden ist, ist das Hosenverbot nicht mehr in Kraft. Begründet wird die Aufhebung erstens mit der Unvereinbarkeit mit dem Prinzip der Gleichheit von Mann und Frau, zweitens mit der französischen Verfassung und drittens mit der europäischen Menschenrechtskonvention.

Die Regierung befolgt eine strikte Mann-Frau-Parität und hält das Gleichheitsgebot der französischen Verfassung auch sonst aufrecht. So wie Frauenministerin Najat Vallaud-Belkacem das Hosenverbot aufgehoben hat, verteidigt Justizministerin Christine Taubira derzeit in der Nationalversammlung das Recht der Homosexuellen zu heiraten. (Stefan Brändle, DER STANDARD, 6.2.2013)

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