EZB will tausende Bankaufseher

5. Februar 2013, 18:14
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Für die 2014 startende europäische Bankenaufsicht könnte die Europäische Zentralbank bis zu 2000 neue Mitarbeiter aufnehmen

Wien - Das Personalbüro in der Europäischen Zentralbank (EZB) könnte künftig alle Hände voll zu tun haben. Um die im Dezember beschlossene europäische Bankenaufsicht umzusetzen, könnte das Institut die Anzahl seiner Mitarbeiter mehr als verdoppeln. Das berichtet die Financial Times und beruft sich auf ein vertrauliches Gutachten, das EZB-Präsident Mario Draghi und der Verwaltungsrat der EZB in Auftrag gegeben haben sollen. Demnach bräuchte die EZB rund 2000 weitere Mitarbeiter.

Diese zu finden, werde wohl keine leichte Aufgabe, heißt es in Wiener Finanzkreisen. Innerhalb von Europa sei zwar laufend von Kündigungen im Bankensektor zu lesen. Ein Ex-Banker mache aber noch keinen Bankprüfer, heißt es. Zwar sei Erfahrung im Bank-Bereich für Prüfer dieses Sektors von Vorteil, das hieße aber noch lange nicht, dass Bilanzlesen und sonstiges rechtliches Wissen vorhanden sei. Nachvollziehen kann man in Wiener Kreisen die Verdoppelung des Personals nicht.

Offen

Ob die EZB tatsächlich bis zu 2000 neue Mitarbeiter ins Boot holt (im Gutachten ist die Rede von 1997 Personen bis zum Jahr 2017), ist ohnehin offen. Das Gutachten schlage diese Zahl lediglich vor, die Empfehlung sei nicht bindend, sagte ein Insider. Eine rasche Aufstockung des Personals werde jedoch empfohlen. Führende EZB-Mitarbeiter hatten bislang von 500 bis 1000 zusätzlich benötigten Mitarbeitern gesprochen.

Die EU-Finanzminister haben sich im Dezember auf eine Bankenaufsicht für die Eurozone geeinigt, die in der EZB gebündelt ist. Ob des hohen Personalbedarfs wird mancherorts bereits gewitzelt, dass das neue EZB-Gebäude am Mainufer zu klein werden könnte - und das, bevor der Neubau überhaupt fertiggestellt ist.

Die europäische Bankenaufsicht soll am 1. März 2014 starten und ist der erste Schritt zur europäischen Bankenunion. In Österreich gibt es derzeit rund 250 (Oesterreichische Nationalbank und Finanzmarktaufsicht) Bankprüfer, in Deutschland rund 1500.

Risikobereitschaft zügeln

Geht es nach dem Internationalen Währungsfonds, sollten die Zentralbanken auch für die Finanzstabilität verantwortlich sein. Die Notenbanken hätten zwar für eine niedrige Inflation gesorgt, jedoch nicht die Finanzkrise 2008/2009 verhindert, schreibt der IWF in einer Studie. Es seien deshalb weitere Instrumente nötig, um die exzessive Risikobereitschaft bestimmter Marktakteure einzudämmen. (Reuters, bpf, DER STANDARD, 6.2.2013)

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    EZB-Chef Mario Draghi bastelt an der europäischen Bankenaufsicht. Wie viele Jobs das schafft, darüber wird derzeit spekuliert.

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