Doktorat zwischen Wissenschaft und Wirtschaft

5. Februar 2013, 18:12
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Modul University startet mit Unternehmen ein finanziertes Dissertantenprogramm

Obwohl die wenigsten Doktoren nach ihrer Dissertation in der Wissenschaft bleiben, werde das von den wenigsten Doktoratsprogrammen berücksichtigt, meint Karl Wöber. Er ist Rektor der Privatuniversität Modul University Vienna, an der diesen Herbst ein Programm anläuft, das sich der Verflechtung von Wissenschaft und Wirtschaft verschrieben hat.

Gemeinsam mit Unternehmen hat die Uni ein Förderungssystem vereinbart: Ist ein Unternehmen bereit, einen Dissertanten für zehn bis 20 Stunden anzustellen, erlässt die Uni die 45.000 Euro Studiengebühren, die sonst für das vierjährige Doktoratsstudium bezahlt werden müssen. Auf diese Weise will die Universität bis zu zehn Dissertantenstellen jährlich bereitstellen, bei denen die Dissertanten keine Studiengebühren zahlen müssen und durch die Anstellung ihren Lebensunterhalt abdecken können. "So können wir optimal Dissertationsthemen behandeln, die im Interesse der Wirtschaft stehen", sagt Wöber.

Von Wirtschaft abgekoppelt

Er erkennt eine "Abkopplung" der Universitäten von der Wirtschaft, da das Doktorat nicht unbedingt die Qualifikationen vermittelt, die die Absolventen in der späteren Karriere brauchen, wenn sie nicht in der Wissenschaft bleiben. Daher sollen im Doktorat der Modul University neben im engeren Sinn wissenschaftlichen Inhalten auch Skills in Kommunikation und Unternehmenspraxis vermittelt werden, sagt Wöber. Für die Hälfte der zehn Stellen konnten bereits Unternehmen gefunden werden, die eine Anstellung für vier Jahre garantieren, vor allem im Bereich Tourismus - einem Feld, dem auf Promotionsebene in Österreich wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird.

Für die Bereiche "Nachhaltige Entwicklung" und "Public Governance", die als weitere Schwerpunkte der Modul University gelten, werden noch Unternehmen gesucht, die sich am Programm beteiligen wollen. Die Ausschreibungen offener Stellen werden über die Homepage veröffentlicht, Bewerber aus der ganzen Welt werden zugelassen - das vierjährige Doktorat wird ausschließlich auf Englisch gehalten. Einzig ein Master- oder Diplomabschluss ist verpflichtend. (trat, DER STANDARD, 06.02.2013)

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