Schärfere Regulatorien innerhalb der EU

5. Februar 2013, 17:48
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Mühsamer Weg zu einer europäischen Ratingagentur

Mit dem Beschluss des Europaparlaments ist der Weg offen für stärkere Regulatorien für die in der EU tätigen Ratingagenturen. So haften sie künftig für grob fahrlässige oder falsche Bewertungen von Unternehmen oder Staaten. Sie unterliegen einer Begründungspflicht und müssen ihre Entscheidungskriterien für ein Rating-Urteil offenlegen. Der Zeitpunkt, wann Ratings veröffentlicht werden dürfen, wurde eingeschränkt.

Gleichzeitig gehen die Bemühungen weiter, eine eigene europäische Ratingagentur zu gründen. Die Initiativen dazu waren bisher nicht von Erfolg gekrönt:

  • Der Europäische Rechnungshof, und zwar der Österreich-Vertreter Harald Wögerbauer, macht sich schon seit längerem dafür stark dass dem Rechnungshof eine Ratingfunktion übertragen wird. Dies wäre eine kostengünstige Lösung, da die Behörde 130 Millionen Euro Jahresbudget und tausend Beamte verfügt. Wögerbauer: "Mit Umschichtungen müsste es möglich sein, diese zusätzliche Aufgabe zu übernehmen."
  • Das von der deutschen Beraterfirma Roland Berger forcierte Modell einer privaten Stiftung konnte bisher deshalb nicht realisiert werden, weil Investoren (hauptsächlich deutsche und französische Großbanken) nicht daran interessiert waren, die 300 Millionen Euro Startkapital der Stiftung aufzubringen.
  • Das von der Bertelsmann-Stiftung initiierte Ratingprojekt Incra hat Ende 2012 fünf EU-Staaten erstmals testweise geratet; Frankreich bekam dabei eine Rüge ab. Die Bertelsmann-Stiftung will für ihr Projekt Industrie- und Schwellenländer als Investoren gewinnen. Länder wie Deutschland sind aber gegen Regierungsbeteiligung an Ratingagenturen. (ruz, DER STANDARD; 6.2.2013)
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