Koller will das schöne Gesicht sehen

5. Februar 2013, 17:40
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Österreichs Fußballteam kickt am Mittwoch in und gegen Wales. Es ist die Generalprobe für die WM-Qualifikation. Arnautovic, Alaba und Co wollen endlich auswärts lächeln

Swansea ist eine "ugly, lovely town", also eine "hässliche, liebenswerte Stadt". Behauptete der einheimische, 1953 verstorbene Dichter Dylan Thomas, den man nicht kennen muss, aber durchaus kennen kann. Swansea liegt an der walisischen Kanalküste, weit weg von Schladming. Sängerin Bonnie Tyler (die mit der röhrigen Stimme) und Schauspielerin Catherine Zeta-Jones (die mit Ehemann Michael Douglas) wurden hier geboren, die beiden leben mittlerweile ganz woanders.

Dafür ist Marko Arnautovic da. Auf Kurzbesuch. Das Wetter ist typisch britisch, Regen, Wind, Hagel, Sonne, Wolken, Sturm, auf gewisse Sachen ist Verlass. Arnautovic trägt das Haar wieder einmal sehr interessant (turmartig), aber das ist reine Privatsache, ohne Belang für den österreichischen Fußball. Da es Arnautovic allein nicht richten kann, wird er von seinen Mannschaftskollegen unterstützt. Grund der Gruppenvisite ist das Testspiel gegen Wales am Mittwoch im Liberty-Stadium. Wie sagte Zlatko Junuzovic: "Das Schönste am Fußball ist das Gewinnen. Und das wollen wir unbedingt." Die beiden Legionäre von Werder Bremen liegen diesbezüglich voll auf einer Linie. David Alaba widerspricht nicht. "Wir sind auf einem guten Weg, müssen uns aber weiter steigern, haben alle Luft nach oben."

Standortbestimmung

Das erste Spiel in einem Jahr ist immer ein bisserl problematisch. Eine Standortbestimmung, in der die Ungewissheit größer ist als zum Beispiel vor der vierten Partie. Das ÖFB-Team hat auswärts eine grandios erbärmliche Bilanz aufzuweisen. Seit 2005 wurde nur in Liechtenstein (2006) und Aserbaidschan (2011) gesiegt, den aktuellen Spielern wird angesichts dieser Statistik übel. 2005 wurde übrigens in der verpassten WM-Qualifikation in Cardiff Wales mit 2:0 geschlagen. Vier Tage später gab es in Wien ein 1:0, Andreas Ivanschitz wirkte damals bereits mit. Teamchef war Hans Krankl, er hatte genau zwei Legionäre zur Verfügung, Martin Stranzl und Mario Haas. Dafür waren Pasching und der GAK massiv vertreten (Kirchler, Mayrleb, Ehmann, Aufhauser). Der GAK ist mittlerweile tot, Pasching dient als Parkplatz fürs Red-Bull-Salzburg-Ausgedinge. Das Nationalteam gibt es noch. Und es hat Perspektiven.

"Die Zeiten haben sich geändert", sagte Arnautovic im Februar 2013, " fast ausschließlich Legionäre, die einen Stammplatz haben. Wir sind gut im Kopf, müssen halt vorne mehr Tore machen und hinten noch weniger bekommen." Arnautovic versprach in Swansea und überhaupt "100 Prozent Einsatz". Teamchef Marcel Koller wird "nicht groß durchwechseln", er will ein anderes Gesicht sehen als jenes vom 14. November 2012. Cote d' Ivoire siegte in Linz 3:0. Für Alaba war es "scheiße". Koller wurde nicht ganz so direkt. "Es war ein hässliches Gesicht, nun sollen sie das schöne Sommergesicht zeigen. Es ist an der Zeit, auswärts zu siegen." Der Schweizer forderte für erfolgreichen Fußball relevante Tugenden ein: Aggressivität, Konsequenz, Kaltblütigkeit vor dem Tor, Ballbesitz, Zweikampfverhalten und so weiter.

Therapie

Für einige Kicker hat das Beisammensein auch einen leicht therapeutischen Charakter. Kapitän Christian Fuchs durchlebt bei Schalke " schlimme Zeiten. Die Zuschauer pfeifen nach jedem Fehlpass." Die Fans haben viel zu tun, was Fuchs nicht als witzig empfindet. "Aber vielleicht reift man daran. Jedenfalls bin ich froh, jetzt andere Gesichter zu sehen." In Swansea könnte er übrigens in Blick- und Beinkontakt mit dem großartigen Gareth Bale treten, sollte Teamchef Chris Coleman das Genie von Tottenham rechts in die Offensive stellen. Fuchs ist der linke Verteidiger, da kreuzen sich die Wege zwangsläufig.

Marc Janko wird bei Trabzonspor nicht ausgepfiffen, er kommt zu keinen Einsätzen, was schlimmer ist. "Da muss ich durch." Die Bilanz gegen Wales ist positiv, fünf Siege, eine Niederlage, ein Remis. Das Match dient physisch, psychisch, klimatisch und stilistisch auch als Vorbereitung auf die WM-Quali am 26. März in Dublin gegen Irland. Dublin ist von Schladming noch weiter weg als Swansea. Brasilien liegt praktisch am Ende der Welt. Dort findet 2014 die WM statt. (Christian Hackl aus Swansea, DER STANDARD, 6.2.2013)

  • Dass Gareth Bale, der walisische Superstar, sein Herz für Österreich entdeckt, ist eher nicht anzunehmen. Eher dürfte er es darauf anlegen, den Österreichern die Zunge zu zeigen.
    foto: epa/vassil donev

    Dass Gareth Bale, der walisische Superstar, sein Herz für Österreich entdeckt, ist eher nicht anzunehmen. Eher dürfte er es darauf anlegen, den Österreichern die Zunge zu zeigen.

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