Ost-West-Vernetzung per "Mega-Grants"

5. Februar 2013, 17:36
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Russland fördert die vernachlässigte Forschungslandschaft im großen Stil

Der Computerwissenschafter Herbert Edelsbrunner war 2011 einer von 40 Wissenschaftern, die einen sogenannten Mega-Grant der russischen Regierung erhielten (siehe Interview). Das Moskauer Ministerium für Bildung und Wissenschaft beabsichtigt mit der Vergabe der mit bis zu je 3,3 Millionen Euro dotierten Förderpreise die Kooperation und Vernetzung zwischen der russischen Wissenschaftsszene und Top-Forschern im Ausland zu verbessern.

Die 2010 verabschiedete Initiative soll die wissenschaftliche Infrastruktur durch das Lernen von ausländischen Modellen verbessern. Die Ausschreibung richtete sich sowohl an nichtrussische Wissenschafter als auch an russische Forscher, die im Ausland arbeiten. Insgesamt wurden in zwei Auswahlrunden 2010 und 2011 aus über 1000 Bewerbungen die Projekte von insgesamt 79 Forschern ausgewählt.

Laut Informationen der Deutschen Forschungsgemeinschaft stammen zwölf der Mega-Grant-Gewinner aus Deutschland, 20 aus den USA, sieben aus Frankreich und 39 aus Russland. Edelsbrunner ist der einzige Österreicher, dem ein Mega-Grant zugesprochen wurde.

Die Forscher hatten in zumindest zweijähriger Laufzeit die Aufgabe, parallel zur Arbeit im Herkunftsland an einer russischen Universität eine Forschungsgruppe samt Labor aufzubauen. Sie mussten die wissenschaftliche Arbeit persönlich leiten und mehrere Monate vor Ort sein. Forscher aus verschiedenen Bereichen - Mathematiker, Astrophysiker, Biochemiker, Psychologen bis hin zu Ozeanografen - folgten dem Ruf und bauten Forschergruppen in St. Petersburg, Tomsk, Krasnojarsk oder Irkutsk auf.

Russische Probleme

Das Zwölf-Milliarden-Rubel-Programm (320 Mio. Euro) ist Teil der russischen Bemühungen, die vernachlässigte universitäre Forschung im großen Stil zu verbessern. Nach dem Kollaps der Sowjetunion schrumpfte der einst enorme Forschungsapparat beträchtlich. Viele Wissenschafter gingen ins Ausland. Nach wie vor wird die Wissenschaft in Russland aber von umständlicher Bürokratie, Korruption und dem landesinternen Wohlstandsgefälle belastet.

Und nicht nur der Technologietransferprozess ist wenig entwickelt, auch unterschiedliche Regelungen in Russland und im Westen machen den Forschern zu schaffen. Die in Russland weniger strengen Gesetze bei Tierversuchen können für Wissenschafter zu Problemen führen, wenn sie in internationalen Journals publizieren wollen. Auch das nationale Patentsystem ist nicht vollständig verlässlich. Universitäten haben aber in den meisten Fällen nicht das Geld Patente in der EU oder in den USA anzumelden.

Wenige Jahre vor den Mega-Grants startete die russische Regierung bereits ein ambitioniertes, 318 Milliarden Rubel (acht Mrd. Euro) schweres Nanotech-Programm. In Skolkovo nahe Moskau entsteht zudem ein Forschungs- und Industriepark, der russische und ausländische Unternehmen und Institutionen beherbergt. Schlüsselbereiche sind Energie, Information und Kommunikation, Biotechnologie und Weltraum- und Nukleartechnologie. (pum, DER STANDARD, 06.02.2013)

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