Die italienische Schneewelt

5. Februar 2013, 22:13
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Ein Römer und vier Südtiroler sporteln im Super-G für Italiens Team. Christof Innerhofer startet am Mittwoch als Titelverteidiger

Schladming - Das Restaurant Wintergarten in der Vorstadt hört in der WM-Zeit auf den Namen Chalet Italia. Das Chalet ist bummvoll, als Italiens Skifahrer von ihren Vorhaben in Schladming künden. Ein Römer, Matteo Marsaglia (27), und vier Südtiroler, Christof Innerhofer, Werner Heel, Peter Fill und Siegmar Klotz bilden das Team für den Super-G am Mittwoch. Bei der Pressekonferenz pflegt ausschließlich Italienisch gesprochen zu werden.

Das Interesse für den alpinen Skisport außerhalb Südtirols ist zwar nicht mit jenem zu vergleichen, welches herrschte, als Alberto Tomba aus Bologna die Schneewelt regierte, aber es ist durchaus ausgeprägt. Das hat naturgemäß mit Trophäen zu tun. Innerhofer holte bei der WM 2011 in Garmisch einen kompletten Medaillensatz, Gold im Super-G, Silber in der Superkombi und Bronze in der Abfahrt. Im heurigen Winter triumphierte Innerhofer bei den Abfahrten in Beaver Creek und in Wengen, Dominik Paris siegte bei den Abfahrten in Bormio und zuletzt in Kitzbühel, Marsaglia nahm sich den Super-G in Beaver Creek.

Nach dem offiziellen Teil im Chalet Italia frägt man Paris, ob er sich danach sehne, einmal die Titelseite der Gazzetta dello Sport zu schmücken, wo normalerweise Calcio herrscht oder Ferrari. "Für mich ist das nicht so wichtig. Für mich zählen Resultate, die geben mir Befriedigung. Was die anderen daraus machen, ist mir egal. Normal als Sportler möcht' ich halt dastehen", sagt der Ultentaler.

Das tat er nach dem Abfahrtstriumph auf der Streif. Und wenn man ihn darauf anspricht, setzt er sein glücklichstes Gesicht auf. "Ganz gut geht's mir, wenn ich daran denke, da hab ich gleich wieder eine totale Freud'. Da hat es brutal viel Interesse an mir gegeben. Kitzbühel kennt man auf der ganzen Welt, die Abfahrt sieht man ja sogar in Amerika. Das hat unseren Skisport schon nach vorn gebracht. Wir sind ja ziemlich klein in Italien. Und jetzt stehen wir in Schladming. Ich werde wieder Vollgas geben."

Das hat auch Kollege Innerhofer vor. Der ist nicht nur im WM-Super-G Titelverteidiger, er gewann auf der Planai auch die Generalprobe in dieser Übung beim Weltcupfinale 2012. Ob er, Innerhofer, sich wieder den kompletten Medaillensatz zutraut? "Ich möchte zwar nicht tiefstapeln, aber in Garmisch war alles perfekt für mich. Hier wird es sicher viel schwieriger für mich, obwohl mir die Piste sogar ein bisserl besser liegt als die in Garmisch."

Nicht zitabel ist, was Innerhofer über die zu erwartenden Pistenverhältnisse sagt. Er liebt es nämlich eisig. Und er bedauert, dass Klaus Kröll nicht mitwirkt. Dadurch rutschte er in die Gruppe der Top sieben, startet also frühestens als 16. und nicht vorher. "Das ist sicher kein Vorteil."

Die Vorkommnisse von Kitzbühel, wo er in der Abfahrt erst als 45. starten durfte, weil er nach einem Trainingssturz weitergefahren war, " sind abgehakt, obwohl ich mir nach wie vor keiner Schuld bewusst bin. Ich hab' auf Anweisung gehandelt."

Abgehakt ist auch die für ihn so schreckliche Vorjahrssaison, die mit einem schweren Trainingssturz begann. Quälende Kreuzschmerzen und dadurch erzwungene Fehlhaltungen ließen Innerhofer schon an das Karriereende denken. "Der Winter war schlimm, die Motivation hat viel Kraft gekostet. Der Sommer war auch schlimm. Jetzt sehe ich wieder ein kleines Licht, hab' Ruhe in mir drinnen und muss nicht Angst haben um meine Karriere. Solange es so geht, werde ich die Zähne zusammenbeißen."

Schmerz, lass nach

Das kleine Licht heißt freilich nicht, dass die Schmerzen weg sind. Seit 14 Monaten, sagt der quasi etwas verschlissene Innerhofer, sei er durchgehend mit Schmerzmitteln unterwegs. Eine konsequente Therapie im Frühjahr werde den Schmerz aber schon vertreiben. Zur Rolle des Skisports in Italien sagt der Pustertaler Innerhofer: "Er spielt eine große Rolle. Man braucht nur meine Sponsoren anschauen." Die Sponsorliste ist lang. (Benno Zelsacher - DER STANDARD, 6.2. 2013)

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    Der Pustertaler Christof Innerhofer tritt im Super-G als Titelverteidiger an - und hat einiges vor.

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