Stadt München: HPs Linux-Studie "wissenschaftlich nicht fundiert"

5. Februar 2013, 13:43
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Falsche Annahmen, verschiedene Kosten inkorrekt berechnet

Die Stadt München hat sich nun zur von Hewlett-Packard im Auftrag von Microsoft erstellten Studie zum Linux-Umstieg geäußert und diese kritisiert. Unter anderem wies man die errechneten Kosten zurück.

Deutliche Differenz

HP errechnet in seinem Papier einen Aufwand von 60,6 Millionen Euro für die Migration zu und den Betrieb von "LiMux", einer für die Stadt München entwickelten Linux-Distribution, sowie OpenOffice (mittlerweile setzt man auf LibreOffice). Eine rein auf Microsoft-Angeboten basierende Lösung hätte im Vergleich nur 17 Millionen Euro gekostet. Das Linux-Projekt läuft in der bayrischen Landeshauptstadt seit 2003.

Die Stadtverwaltung der süddeutschen Metropole widerspricht dem. Sie kommt in einer eigenen Rechnung auf die Gesamtsumme von 23 Millionen Euro für die Migration und sieht die Microsoft-Alternative bei 34 Millionen Euro. Eine beachtliche Differenz.

Zuwenig Clients und keine Hardware einkalkuliert

Von offizieller Seite heißt es, dass HP beispielsweise nur Kosten für die Unterstützung von 12.000 Clientrechnern berechnet hätte. Tatsächlich seien es aber 1.000 mehr. Auch die in die Kalkulation einbezogenen 1.000 IT-Mitarbeiter sollen nur zu einem geringen Teil mit der Betreuung der neuen Arbeitsplätze befasst sein, wie Heise den Leiter des Presse- und Informationsamtes, Stefan Hauf, zitiert.

Gar nicht erst ins Gewicht fallen bei der HP-Studie die Kosten für die Hardware. Die Ersteller gehen davon aus, dass sowohl Windows als auch Linux sehr ähnliche Anforderungen an die Hardware stellen. In München betont man, dass dem nicht so sei, da Linux auch auf schwächeren Rechnern gut läuft. Unterschieden wird weiters nicht zwischen Migration und regulärem Life-Cycle-Management, also Aktualisierungen innerhalb der gleichen Betriebssystemversion.

Bei vielen Anwendungen keine Portierung nötig

Strittig ist auch die mit Abstand größte Kostenstelle. HP, auch ein langjähriger Hardware-Partner von Microsoft, kommt zu dem Schluss, dass die Migration von fachspezifischer Software von Windows auf Linux mit 38,5 Millionen Euro zu Buche schlägt. Jedoch, erklärt Hauf, sei bei einigen Programmen gar keine Portierung notwendig, da diese bereits webbasiert laufen oder sich virtualisieren lassen und somit plattformübergreifend verwendet werden können.

Die Stadtverwaltung hält an ihrer eigenen Berechnung fest und sieht keinen Anlass zu einer erneuten Evaluation. Die HP-Studie zur Linux-Migration kritisiert man hingegen als "wissenschaftlich nicht fundiert". (red, derStandard.at, 05.02.2013)

  • Stadt München über HP-Studie zu "LiMux"-Migration: "wissenschaftlich nicht fundiert".
    foto: stadt münchen

    Stadt München über HP-Studie zu "LiMux"-Migration: "wissenschaftlich nicht fundiert".

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