Drei Egons für einen Schiele

5. Februar 2013, 22:37
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Leopold Museum refinanziert "Häuser am Meer"-Einigung bei Rekord-Auktion

Wien/London – Den Flug von Wien nach London hatte die wertvolle Fracht wohlbehalten überstanden. Eingemummt in Klimakisten, jedes einzelne Egon Schiele signierte Blatt für sich. Und dann sollte womöglich ein Zaungast während der Preview Champagner oder gar schnöden Juice über eines dieser Kunstwerke schütten? Elisabeth Leopolds Albtraum erfüllte sich nicht, berauscht waren die Interessenten dennoch.

Geradezu ein "Schieleum" hatte Sotheby's im Vorfeld der gestern Abend anberaumten Auktion in London inszeniert. Ein  Boudoir, vor dessen nachtblauer Wandtapezierung die drei hochdotierten Arbeiten auf Papier ihre Strahlkraft entblößten: Als zentraler Blickfang das Liebespaar, eine Gouache, in der Schiele und Wally zu einer Menschensäule verschmolzen. Links davon die Kohlezeichnung eines am Rücken liegenden Mädchens, ob deren Verve die Bewunderer Schlange standen. Rechts davon ein Selbstbildnis, in dem sich Schiele in ein grünes Hemd hüllte.

Zumindest elf, wenn nicht 15 Millionen Euro sollte diese Trias einspielen, mit der die Einigung für das Gemälde "Häuser am Meer" (Erben nach Jenny Steiner) refinanziert werden sollte. Und diese Mission war erfolgreich.

Nicht nur, weil Sotheby's über ein verbindliches Gebot das Minimum von elf Millionen Euro garantiert hatte. Gemessen an den einzelnen Schätzwerten sorgte das Selbstbildnis mit grünem Hemd für die größere Überraschung: statt des erwarteten Maximums von 3,1 hatte ein anonymer Telefonbieter Alexander Platon (Sotheby's Head of Private Sales Europa) stolze 5,9 Millionen Euro (inkl. Aufgeld) eingeflüstert. "Gewaltig", kommentierte ein sichtlich beeindruckter Tobias Natter, Direktor des Leopold Museums.

Entgegen der Taxe (2,2-3,1 Mio. Euro) stiegen die Gebote für dieses Selbstbildnis in grünem Hemd bis auf 5,9 Millionen Euro. Foto: Sotheby's

Für das Liebespaar perlten die Gebote ab 20:19 Uhr MEZ. "Are you alive or dead?", ermunterte Auktionator Henry Wyndham zwischendurch einen zögerlichen Saalbieter. Schließlich behielt hier ein asiatischer Privatsammler mit 9,16 Millionen Euro und dem neuen Künstlerrekord für eine Arbeit auf Papier die Oberhand. Inklusive des Zuschlags für die Kohlezeichnung des Mädchens summierten sich die Zuschläge auf etwa 16,3 Millionen und die offiziellen Einnahmen für das Leopold Museum (exkl. Aufgeld) damit auf rund 14,5 Millionen Euro. (Olga Kronsteiner, DER STANDARD, 6.2.2013)

  • Für Egon Schieles "Liebespaar" notierte man bei 9,16 Millionen Euro einen Weltrekord ...
    foto: sotheby's

    Für Egon Schieles "Liebespaar" notierte man bei 9,16 Millionen Euro einen Weltrekord ...

  • ... das Mädchen verführte bis zu 1,2 Millionen Euro.
    foto: sotheby's

    ... das Mädchen verführte bis zu 1,2 Millionen Euro.

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