Tschadische Soldaten in malischer Stadt Kidal einmarschiert

5. Februar 2013, 15:56
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Franzosen beginnen Rückzug aus Timbuktu - Afrikanische Vertreter fordern in Brüssel breitere Unterstützung der EU

Brüssel/Bamako/Paris - Nach mehrtägigem Bombardement durch die französische Luftwaffe sind tschadische Truppen in die nordmalische ehemalige Islamisten-Hochburg Kidal einmarschiert. Die Franzosen seien weiterhin für die Kontrolle des Flughafens von Kidal zuständig, teilte am Dienstag das Verteidigungsministerium in Paris mit. Aus Timbuktu begann der Rückzug französischer Soldaten Richtung Norden. In Brüssel beriet die internationale Gemeinschaft über die Stabilisierung des westafrikanischen Krisenstaates.

Kidal, das 1.500 Kilometer von der Hauptstadt Bamako entfernt liegt, war bis Ende Jänner in der Hand der islamistischen Tuareg-Gruppe Ansar Dine. Kurz vor der Ankunft der Franzosen wechselte die Stadt unter die Kontrolle der gemäßigteren Ansar-Dine-Abspaltung MIA und der Tuareg-Truppe MNLA. Diese stimmten einer Einnahme durch die Franzosen zu, wollten aber keine Soldaten der ECOWAS-Mission MISMA akzeptieren, da sie Racheakte gegen Araber und Tuareg fürchteten. Die tschadischen Truppen gehören als Nicht-ECOWAS-Land der MISMA nicht an.

Rund um Kidal hielten die französischen Luftangriffe auf vermutete Islamistenstellungen auch am Dienstag an. Paris vermutet in der Region nicht nur hochrangige Islamistenführer, sondern auch sieben französische Geiseln, die zwischen 2011 und 2012 in Mali und im Niger entführt wurden. Gegenwärtig sind fast 4.000 französische Soldaten im Land stationiert. Die Regierung in Paris hofft jedoch, dass sie bald von ECOWAS-Truppen abgelöst werden können. Die geplante EU-Mission soll lediglich malische Soldaten ausbilden und wird nicht an den Kampfhandlungen beteiligt sein.

Franzosen beginnen Rückzug aus Timbuktu

In Timbuktu haben französisches Truppen am Dienstag bereits mit dem Rückzug begonnen. In den kommenden Tagen sollen alle 600 Franzosen Timbuktu in Richtung Gao und Kidal verlassen, ihre malischen Kollegen werden in der Stadt bleiben und diese sichern. Erst am Montag hatte der französische Außenminister, Laurent Fabius angekündigt, ein Abzug aus Timbuktu könnte "sehr rasch" erfolgen.

Das Welternährungsprogramm (WFP) kündigte am Dienstag an, die seit dem französischen Einmarsch unterbrochene Verteilung von Lebensmitteln im Norden Malis wieder aufzunehmen. Ziel sei es, rund 35.000 Menschen, darunter fast 3.000 Kinder unter fünf Jahren, wieder zu versorgen, sagte eine Sprecherin in Genf.

In Brüssel hat Dienstagvormittag eine internationale Mali-Konferenz begonnen. Im Mittelpunkt steht die politische Zukunft des westafrikanischen Krisenstaats, humanitäre Hilfe für Mali sowie die geplanten Militäreinsätze von Europäischer Union und der Westafrikanischen Staatengemeinschaft ECOWAS. Teilnehmer sind rund 45 Delegationen aus Mali, den angrenzenden Staaten, EU-Ländern sowie von der Afrikanischen Union und den Vereinten Nationen.

Mehr Unterstützung von der EU gefordert

Von afrikanischer Seite kam dabei vor allem die Forderung nach breiterer EU-Unterstützung. "Die ganze Welt sollte sich um uns scharen, um die Drogenhandel-Jihadisten von unserem Territorium zu vertreiben", forderte der malische Außenminister Tieman Hubert Coulibaly in Brüssel. "Die EU tut wirklich eine Menge. Aber wir brauchen noch mehr Hilfe, mehr Unterstützung, mehr Verständnis von der EU", sagte der für Afrika zuständige Außen-Staatssekretär Nigerias, Gordon Bristol. "Das malische Problem ist noch nicht vorbei. Also werden noch alle Hände gebraucht, um die Lage in Mali zu lösen." Die Situation in Mali betreffe nicht nur die Sahelzone, sondern "die ganze Welt", betonte er.

Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton wies den Vorwurf gegenüber der "Süddeutschen Zeitung" zurück. Die EU unterstütze die französische Militäraktion und erfülle "auch ihren Teil der Aufgabe". Das Ausbildungsprogramm für die malische Armee sei keineswegs die ganze europäische Antwort. Ashton verwies darauf, dass die EU im vergangenen Jahr eine Strategie für die Sahelzone entwickelt habe, die dem Kampf gegen Armut und dem demokratischen Prozess diene. (APA, 5.2.2013)

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