Aufstand gegen Handels-Riesen und Ortskaiser

5. Februar 2013, 13:16
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Ein Mega-Glashaus und ein Logistikzentrum für Spar rufen Bürger auf den Plan. Sie drohen mit "einem zweiten Hainburg"

In Bad Blumau rumort es. In der oststeirischen Gemeinde will der Obstvermarkter Frutura einen Glashaus-Komplex errichten, um das ganze Jahr über Gemüse anzubauen. Versorgt werden soll mit dem Grünzeug der Handelsriese Spar. Viele Bürger befürchten nun "spanische Verhältnisse im Kleinen" durch eine industrielle Landwirtschaft auf 27 Hektar Grund. Doch nicht nur das geplante Glashaus erhitzt die Gemüter.

Für Aufregung sorgt auch die Tatsache, dass die unterirdischen Thermalquellen, die als umweltfreundliche Heizquelle genutzt werden sollen, den Thermen das Wasser abgraben. "Eine Therme ohne Wasser ist wie ein Skigebiet ohne Schnee", beschwört die Bad Blumauer Tourismusfachfrau Maria Perl drastische Szenen herauf. Perl ist gemeinsam mit dem Biobauern, Bürgerplattform-Sprecher und Gemeinderat Karl Semmler angetreten, um auf diese und andere Gefahren aufmerksam zu machen. Für Semmler ist klar, dass sich auch der Preisdruck auf die Bauern in der Region erhöhe: "Der ist jetzt schon hoch genug. Wenn Frutura für Spar in dieser Größenordnung in die Gemüseproduktion einsteigt, kommt es zu einem Bauernsterben von mittleren und größeren Betrieben."

Jobs können nicht locken

Die von den Projektbetreibern in Aussicht gestellten 200 Jobs könnten darüber keineswegs hinwegtrösten, so Semmler. Er geht davon aus, dass in dem Betrieb "Arbeitskräfte aus dem Ausland arbeiten werden." Außerdem befürchtet er, dass den gewonnenen Arbeitsplätzen langfristig 500 verlorene gegenüberstehen werden. Denn Tourismusbetriebe und Bauern würden mit dem Projekt keinesfalls gewinnen.

In der Gemeinde gehen die Meinungen laut Semmler und Perl auseinander. Da seien einerseits örtliche Touristiker und manche Gemeindepolitiker, die gemeinsam gegen das Projekt seien. Dem sanften Tourismus habe man sich hier verschrieben und das solle auch so bleiben. Andrerseits habe der eine oder andere seinen Grund verkauft, weil er seinen Betrieb nicht weiterführen wollte. Manch einer konnte aber auch ganz einfach den gebotenen Grundstückspreisen nicht widerstehen. Dazu gehöre auch der örtliche Bürgermeister. Zwei bis drei Euro sei der ortsübliche Preis für landwirtschaftlich genutzten Boden, rund das Vierfache habe Frutura geboten. Zwei Drittel der 27 Hektar habe Frutura bereits gekauft. Grundsätzlich wollen die engagierten Bad Blumauer das Projekt gar nicht. Was sie auch stört: "Weil es sich um landwirtschaftliche Nutzung handelt, gibt es dafür auch keine UVP (Umweltverträglichkeitsprüfung, Anm.). Nicht einmal eine landwirtschaftliche Sondernutzung mit entsprechenden Auflagen ist hier vorgesehen."

Logistikzentrum in Ebergassing

Ähnlich aufgeregt und auf den Handelsriesen Spar schlecht zu sprechen ist man im niederösterreichischen Ebergassing. Hier soll ein Logistikzentrum auf 43.000 Quadratmetern entstehen. "Gegen den Willen der Bürger", wie Bürgerinitiativen-Sprecherinnen Judith Zeilinger und Rainhard Ertl betonen. Für das Logistikzentrum (das Gewerbeverfahren ist noch nicht abgeschlossen) wurden Teile des Natura-2000-Schutzgebietes umgewidmet, zeigen sie sich erbost. Angst haben sie vor allem, dass ihre Lebensqualität durch kommende und wegfahrende LKW beeinträchtigt wird. Was Ertl und Zeiliger außerdem erzürnt: "Obwohl Flächenumwidmungen nicht anlassbezogen sein sollten, ist diese genau auf das Logistikzentrum zugeschnitten gewesen. So wurde unter anderem die zulässige Gebäudehöhe von 15 auf 30 Meter angehoben." In der Gemeindezeitung sei den Bürgern und Bürgerinnen das Projekt als "Betriebsgebiet leicht" verkauft worden. "Darunter haben wir uns eine Bäckerei oder einen Spenglerbetrieb vorgestellt", sagt Ertl.

Spar-Rückzug erwünscht

Was man sich nun vom Handelsriesen Spar wünscht, ist in Bad Blumau und in Ebergassing das gleiche: "Auch wenn Bürgermeister und Gemeinderat dafür sind, wollen wir, dass Spar sich zurückzieht." Dafür stehen allerdings die Chancen zumindest in Ebergassing nicht allzu gut. "Das ist für uns genau der richtige Standort", so Spar-Sprecherin Nicole Berkmann. Was das Bad Blumauer Projekt von Frutura betreffe, so sei das bislang ohnedies nicht mehr als eine Idee. Da seien nun die Fachleute des Landes Steiermark am Zug. "Wenn die Experten das für gut befinden, dann freuen wir uns auf die dort gezogenen Gurken und Tomaten." Zumindest in Ebergassing hat man laut Bürgerinitiativen-Sprecherin Zeilinger auch einen Plan B, wenn das Logistikzentrum kommt: "Wenn das Gewerbeverfahren positiv ausgeht und gebaut wird, dann gibt es ein zweites Hainburg." (Regina Bruckner, derStandard.at, 5.2.2013)

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    Tomaten aus dem Glashaus schön und gut, aber nicht aus unserer Region, sagen sich manche Bad Blumauer.

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