Styrian: Blankokredite für landesnahe Gesellschaften

5. Februar 2013, 12:33
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Wirtschaftsprüfer hielt Pleite der Fluglinie für "sehr, sehr unwahrscheinlich"

Klagenfurt - Gesellschaften, an denen das Land Kärnten direkt oder indirekt beteiligt war, haben öfter Blankokredite bekommen. Das hat Wirtschaftsprüfer Hubert Huber beim Untreueprozess rund um die Styrian Spirit gegen die Ex-Hypo-Manager Wolfgang Kulterer, Gert Xander und Albin Ruhdorfer am Dienstag am Landesgericht Klagenfurt im Zeugenstand ausgesagt.

Die Hypo Österreich hatte 2005 ein solches Darlehen in der Höhe von zwei Millionen Euro an die Fluglinie Styrian Spirit, die 2006 in Konkurs ging, vergeben. Deshalb müssen sich die drei Manager vor dem Schöffensenat verantworten. Weiters ergänzte Huber auf Nachfrage von Xanders Anwalt Gernot Murko, dass es für ihn zum damaligen Zeitpunkt "sehr, sehr unwahrscheinlich" gewesen sei, dass eine solche Gesellschaft in Konkurs gehen könnte. So etwas sei in den Jahren davor auch nicht passiert, so der Zeuge.

Die Styrian Spirit hatte vor dem Einstieg der Kärntner Tourismusholding (KTH) im Jahr 2005 fünf Millionen Euro Schulden. Huber, damals wie heute Konsulent der KTH, erklärte, die Kapitalerhöhung von vier Millionen Euro und die erste Million des Betriebsmittelkredits der Hypo Österreich seien zur Abdeckung der offenen Forderungen und Herstellung der Liquidität notwendig gewesen, die zweite Million "als Liquiditätsreserve" zur Verfügung gestanden. Durch den Einstieg der KTH sei die Styrian Spirit nicht mehr insolvenzgefährdet gewesen. Es habe ein "komfortables Eigenkapital" bestanden, sagte Huber.

Hochkonjunktur

Der Zeuge schilderte auch die Situation des Jahres 2005. Man sei auf eine Hochkonjunktur zugegangen, und der Geschäftsführer der Styrian Spirit, Otmar Lenz, habe die Strategie Richtung Erfolgskonzept umgebaut. Auf der Strecke Stuttgart beispielsweise sei viel Geld verdient worden, auch Salzburg-Zürich sei knapp am Break-Even-Point gewesen. Daher hätte er sich damals auch dafür ausgesprochen dass die KTH Geld nachschießen sollte, erzählte Huber. Das Fluggeschäft sei sehr schwierig und es sei nicht leicht, von Anfang an positive Ergebnisse zu erzielen.

Wie viel Förderungen andere Fluglinien in dieser Zeit bekommen hätten, wollte Murko wissen. Die irische Ryanair und deutsche TUI hätten vom Land Kärnten und der Stadt Klagenfurt in Summe rund eine Million Euro pro Jahr erhalten, sagte Huber, der auch Aufsichtsratsvorsitzender der Flughafengesellschaft war.

Ein weiterer Zeuge, Christian Tschurtschenthaler, ab September 2005 Mitglied des Aufsichtsrats der Styrian Spirit, erzählte von einer Sitzung Ende November 2005. Damals habe der Vorstand der Fluglinie von einer "angespannten Liquidität" und einem weiteren Kapitalbedarf gesprochen. Allerdings habe man laut Bericht des Vorstandes das Geld nicht zum Stopfen von Löchern, sondern für einen positiven Fortbestand und die Weiterentwicklung des Unternehmens gebraucht, erklärte er.

Der damalige Vorsitzende des Aufsichtsrats der Styrian Spirit, Waldemar Jud, sagte aus, dass die Fluglinie immer eine "gewisse Liquiditäts- und Kapitalenge" gehabt habe. Für den Nachmittag waren weitere Zeugeneinvernahmen angesetzt. (APA, 5.2.2013)

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