Neun von zehn Schülern halten Lehrstoff nicht für sinnvoll

5. Februar 2013, 12:26
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Bundesschülervertretung stellt Umfrage vor: Hälfte der Schüler durch Schulalltag demotiviert, "Bulimie-Lernen" weit verbreitet

Wien - 87 Prozent der Schüler halten den ihnen in der Schule vermittelten Lehrstoff nicht für sinnvoll. Das zeigt eine Umfrage der Bundesschülervertretung (BSV) unter 4.500 Oberstufenschülern. Für Bundesschulsprecher Felix Wagner von der ÖVP-nahen Schülerunion ist das ein "Warnsignal, das ernst genommen werden muss": "Ein Betrieb, in dem 87 Prozent der Mitarbeiter die Sinnhaftigkeit ihrer Aufgabe nicht gegeben sehen, wird mit 87 Prozent verminderter Qualität produzieren", erklärte Wagner in einer Aussendung.

Auch mit der Motivation in der Schule steht es nicht zum Besten. 50 Prozent der Schüler fühlen sich durch ihren Schulalltag demotiviert, ist ein weiteres Resultat der Umfrage. Ebenfalls nur die Hälfte der Schüler empfindet die Schule als gute Vorbereitung auf den weiteren Bildungs- und Lebensweg.

"Bulimie-Lernen" Teil des Alltags

Weit verbreitet ist nach wie vor das "Bulimie-Lernen": Kurz vor der Prüfung wird möglichst viel Stoff ins Kurzzeitgedächtnis gepackt, im Anschluss entledigt man sich des als Ballast empfundenen Wissens wieder. So gaben etwa 63 Prozent der Schüler an, den erlernten Stoff kurz nach der Prüfung wieder zu vergessen. "Wenn ich die Sinnhaftigkeit dessen, was ich erlerne, nicht sehe, dann werde ich auch nicht versuchen, den Stoff lange zu behalten. Sinnvolles und effizientes Lernen sieht anders aus", so Wagner.

Die Schülerunion fordert als Rezept mehr Schulautonomie für die einzelnen Standorte, insbesondere bei personellen Entscheidungen und der Gestaltung des Unterrichts. So könnten die Schulen ein klares Profil entwickeln und Schwerpunkte setzen, die sich in projektorientiertem, fächerübergreifendem Unterricht wiederfinden. Außerdem solle es den Schulen freigestellt werden, ihre Stundentafel abseits der 50-Minuten-Schulstunde autonom zusammenzustellen. Die Lehrer wiederum müssten in Methoden zur Erkennung und Förderung von Talenten geschult werden, um so Stärken und Interessen der Schüler zu erkennen und zu fördern. Die Kinder sollten bereits im Kindergarten ein Stärken-Portfolio erhalten, das in jeder weiteren Bildungseinrichtung ergänzt und erweitert wird. (APA, 5.2.2012)

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    Bundeschülervertreter Felix Wagner fordert mehr Autonomie der Schulen bei der Unterrichtsgestaltung.

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