Prozess: Begleiter identifizierte Täter

5. Februar 2013, 10:56
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Verhandlung nicht öffentlich - Die Anklage will mehr als 80 ZeugInnen laden

Neu-Delhi - Knapp sechs Wochen nach dem Tod einer mehrfach vergewaltigten Studentin in Indien hat der Begleiter der jungen Frau die Angeklagten vor Gericht identifiziert. Der 28-Jährige ist der einzige Augenzeuge der Gruppenvergewaltigung. Sein Vater sagte am Rande des Prozessauftakts am Dienstag, sein Sohn habe die fünf mutmaßlichen Täter wiedererkannt.

Mehrere Anklagepunkte

Die Angeklagten müssen sich unter anderem wegen Mordes, Gruppenvergewaltigung, Entführung und Vernichtung von Beweisen verantworten. Ihnen droht die Todesstrafe. Das Verfahren findet vor einem Schnellgericht in Neu Delhi unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, Anwälte gaben Auskunft.

Vor dem Schnellgericht wird fünf mutmaßlichen Tätern der Prozess gemacht. Ein sechster Verdächtiger, der nach Einschätzung der Ermittler besonders brutal vorging, ist erst 17 Jahre alt. Als Minderjähriger kann er zu maximal drei Jahren Jugendhaft verurteilt werden. Der Vater der 23-Jährigen forderte am Dienstag erneut die Todesstrafe für alle sechs Verdächtigen. Auch DemonstrantInnen vor dem Gericht skandierten entsprechende Parolen.

Bus als Tatfahrzeug identifiziert

Der Hauptzeuge habe am Dienstag außerdem den von der Polizei beschlagnahmten Bus als Tatfahrzeug identifiziert, hieß es aus Kreisen der Verteidigung. Er habe zudem Gegenstände wie Geldbörse und Kreditkarten erkannt, die ihm bei der Tat abgenommen wurden. Der Software-Ingenieur sitzt wegen seiner Verletzungen immer noch im Rollstuhl.

Die fünf erwachsenen Angeklagten erklärten sich im Vorverfahren für unschuldig. Kurz nach ihrer Festnahme hatten die Männer - ein Busfahrer und dessen Bruder, ein Obsthändler, ein Fitnessstudio-Trainer und ein Putzmann - das Verbrechen bei der Polizei gestanden.

Demnach begaben sie sich am 16. Dezember angetrunken auf eine "Vergnügungsfahrt" mit dem Privatbus und hielten nach einem Mädchen Ausschau, wie es in dem Polizeibericht an das Gericht heißt. Nach der Gruppenvergewaltigung sollen die Beschuldigten versucht haben, die Opfer mit dem Bus zu überrollen, um nicht von ihnen identifiziert werden zu können. Die Verteidigung beschuldigte die Polizei, die Geständnisse unter Folter erzwungen zu haben.

Anklage hat mehr als 80 ZeugInnen

Die Staatsanwaltschaft soll erdrückende Beweise haben. So sollen Ermittler unter anderem Blutspuren des Opfers auf der Kleidung der Männer gefunden haben. Die Anklage will mehr als 80 ZeugInnen laden. Der Prozess soll an diesem Mittwoch mit dem Verhör des Hauptzeugen durch die Verteidigung fortgesetzt werden.

Wann es zu einem rechtskräftigen Urteil kommen wird, ist nicht abzusehen. Gegen eine Entscheidung des Schnellgerichts können die Männer in Berufung gegen. Sollten sie zum Tode verurteilt werden, können sie ein Gnadengesuch beim Präsidenten stellen. Zuletzt war in Indien im vergangenen November der letzte überlebende Angreifer der Terrorserie von Mumbai gehängt worden. Zwischen der Tat und der Hinrichtung waren etwa vier Jahre vergangen.

Unmittelbar vor Beginn des Prozesses hatte die indische Regierung die Strafen für sexuelle Gewalttäter verschärft. Nach einer Rechtsverordnung können Vergewaltiger nun auch in besonders schweren Fällen zum Tode verurteilt werden. Auch Wiederholungstätern droht der Galgen. (APA, 5.2.2013)

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