Wie Apple das Gehirn der Nutzer beeinflusst

5. Februar 2013, 11:30
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Experten untersuchten, wie benutzerfreundlich, preiswert und fair Apple-Produkte tatsächlich sind

Das iPhone ist eines der teuersten Smartphones am Markt, dennoch hat Apple im vergangenen Quartal 47,8 Millionen Stück davon verkauft. Das stellt Marktforscher vor die Frage, ob Apples Geräte tatsächlich um so vieles besser sind als die Produkte der Konkurrenz oder ob hier andere Faktoren wirken. Die ARD hat in seiner Sendungs-Reihe "Markencheck" ein Experiment durchgeführt und Hirnforscher nach einer Antwort auf das Phänomen Apple suchen lassen.

Überraschendes Ergebnis beim Gehirnscan

25 Personen wurden einem MRT-Hirnscan unterzogen, um herauszufinden wie das Gehirn auf Apple-Produkte reagiert. Dabei wurden den Testpersonen eine Stunde lang Bilder von Apple- und Samsung-Produkten gezeigt. Das überraschende Ergebnis: beim Anblick eines Apple-Geräts wurden unter anderem dieselben Areale aktiviert, die auch für emotionale Bindungen zu anderen Menschen zuständig sind. Ein iPhone anzusehen löste im Gehirn der Testpersonen die gleichen Prozesse aus, wie das Gesicht eines anderen Menschen zu sehen.

Produkt vermenschlicht

Sahen die Probanden hingegen Fotos eines Samsung-Geräts war demnach eher der Präfrontale Kortex aktiv, der mit der Entscheidungsfindung verknüpft ist. Für den Neurowissenschaftler Jürgen Gallinat ist eine Interpretationsmöglichkeit dieser Ergebnisse, "dass Samsung eher ein Produkt ist, welches mit dem Kopf zu tun hat, während Apple eher ein Produkt ist, welches mit dem Bauch oder dem Bauchgefühl zu tun hat." Apple habe es geschafft, ein technisches Produkt zu vermenschlichen.

Gratis-Werbung

Für Apple selbst ergibt sich dadurch ein enormer Werbewert, da das Unternehmen nicht viel in Anzeigen und Werbung investieren muss. Alleine 2011 kamen laut dem Bericht MacBooks, iPhone und Co in 40 Prozent aller Kinoblockbuster vor.

iPad intuitiver

Die Redaktion unterzog Apple noch weiteren Tests. So verglich das Institut "Mensch - Maschine - Interaktion" der Rheinisch-Westfaelische Technische Hochschule Aachen die Benutzerfreundlichkeit des iPads mit einem Galaxy Tab und Microsofts Surface. Dabei wurde bewertet, wie die Produkte für Personen zu bedienen sind, die sich kaum mit solchen Geräten auskennen.

Das Team kam zu dem Ergebnis, dass Samsung "wie ein Flickenteppich" und zu verwirrend sei. Das Surface biete zwar eine einfache Anleitung zu Beginn, die Experten kritisierten jedoch die Farbgebung der Kachel-Symbole, die sich teilweise nicht stark unterscheide. Das iPad sei übersichtlicher, nur bei Safari sei schwer zu erkennen, dass es sich dabei um den Browser handle. Insgesamt sei das Apple-Tablet unabhängig von der Altersgruppe intuitiver als die Konkurrenzgeräte.

Minuspunkte beim "Biertest"

Beim Qualitätscheck des iPhones schnitt Apple schlechter ab, als das zum Vergleich herangezogene Samsung-Gerät. Beide Smartphones wurden für ein paar Sekunden in ein Bierglas gehalten, um zu sehen, welches Modell "überlebt". Das Plus für das Samsung-Modell: der Akku ließ sich entfernen, beim iPhone konnte nur die SIM-Karte herausgenommen werden. Danach stürzte das iPhone beim Fotografieren und Telefonieren ab. Das Samsung-Smartphone, dessen Akku separat getrocknet werden konnte, funktionierte hingegen noch.

Hoher Preis

Von Stiftung Warentest wurde das iPhone 5 zwar als eines der besten Smartphones eingestuft, doch der Akku schnitt schlechter ab. Für das iPad 4 und Apples MacBooks gab es Bestnoten. Die Qualität der Produkte wurde als sehr hoch eingestuft. Doch der Preis sei im Vergleich zu Konkurrenzprodukten, die etwa die gleiche Leistung liefern, deutlich höher. Die Materialkosten des iPhone würden bei 152 Euro liegen. Kunden müssen dafür ab 679 Euro hinblättern. Für die ARD-Redaktion sei Apple seinen Preis daher "kaum wert".

Fairness

Schließlich wurde auch bewertet, wie fair Apple seine Produkte produzieren lässt. Kritik gibt es für die schlechten Arbeitsbedingungen bei der Produktionsfirma Foxconn und die niedrigen Löhne, wenngleich es bei den Arbeitszeiten mittlerweile Verbesserungen gegeben habe. Auch bei anderen Apple-Zulieferern sei es nur unwesentlich besser. Apples Gewinnspanne liege bei 30 Prozent, die der Zulieferer nur bei drei bis fünf Prozent. Höhere Löhne könnten nur dann ausbezahlt werden, wenn die Firmen ihre Preise gegenüber Apple heraufsetzen würden. Das Unternehmen habe zu den Vorwürfen keine Stellung bezogen. Das Urteil der Markenchecker fällt daher auch negativ aus: "Apple ist nicht fair".

Konsumenten war Apple-Check egal

Den Apple-Fans und Kritikern scheint der große Aufwand der ARD-Redaktion aber herzlich egal gewesen sein, denn die Sendung wurden laut Meedia nur von 2,5 Millionen Menschen gesehen, ein Marktanteil von nur 7,3 Prozent trotz des guten Sendeplatzes im Hauptabendprogramm um 20:15. (red, derStandard.at, 5.2.2013)

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    Apple-Produkte wirken anders auf das Hirn als Samsung-Produkte.

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