"evasi0n": Reger Andrang auf iOS-6-Jailbreak

5. Februar 2013, 09:52
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Cydia-Store meldet Zugriffe von 23 Millionen Geräten in den letzten Monaten

Wie angekündigt hat das "evad3rs"-Team am Montagabend den Jailbreak "evasi0n" für iOS 6.0 und 6.1 veröffentlicht. Die Software für Windows, Mac OS und Linux führt den "Ausbruch" auf allen Geräten durch, die bereits mit der neuesten Version von Apples Mobilbetriebssystem laufen.

Ein-Klick-Lösung

Dabei reicht es, die Passcode-Sperre zu deaktivieren, das iPad, iPhone oder den iPod Touch anzuschließen und einen Button zu betätigen. Binnen fünf Minuten wird dann der Jailbreak automatisch durchgeführt.

Laut TechCrunch haben schon kurz nach der Veröffentlichung 270.000 User die "evasi0n"-Software heruntergeladen. Da zeitweise der Downloadserver seinen Dienst quittierte, wurden die Dateien bei mehreren Cloudspeicher-Anbietern hochgeladen.

Ausbruch

Aber was ist ein Jailbreak? Mit einem Jailbreak werden von Apple installierte Sicherheitsmechanismen umgangen - in der Regel suchen die Entwickler dafür lange nach Schwachstellen im System -, um dem Benutzer des Gerätes erweiterte Rechte zu verschaffen. Der "Ausbruch" kann als Äquivalent zu einem Administratorkonto unter Windows oder dem Rooten eines Android-Systems bezeichnet werden.

Unterschieden wird zwischen einem "tethered jailbreak" und einem "untethered jailbreak". Ersterer ist in der Entwicklung in der Regel die Vorstufe von Zweiterem. Ein "tethered jailbreak" muss nach jedem Neustart des jeweiligen Gerätes neu ausgeführt werden, er funktioniert also nur temporär. Ein "untethered jailbreak" schaltet die erweiterten Rechte dauerhaft frei.

Zugriff auf System und alternative Apps

Nach dem Jailbreak kann der User Aktionen vornehmen, die ihm vorher nicht möglich waren. Das beinhaltet einerseits den Zugriff auf Systemdateien und ihre Veränderungen, aber auch die Installation von Apps, die nicht über eine Signatur von Apple verfügen. Das Telefon, Tablet bzw. der Medienplayer lässt sich dann auch an alternative Appstores anbinden.

Der wohl beliebteste davon ist der von Jay "saurik" Freeman betriebene Marktplatz Cydia. Laut Betreiber haben sich in den vergangenen Monaten fast 23 Millionen Geräte mit der Plattform verbunden. Nach aktuellen Schätzungen sind das knapp fünf Prozent aller bisher verkauften iOS-Geräte.

Oft wurden auf diesem Wege auch Features nachinstalliert, die den Nutzern in iOS abgingen. Dazu gehören Videotelefonie über mobiles Breitband oder eine ausfahrbare Notification Bar. Beides hat Apple mittlerweile selbst nachgeliefert. Alternative Apps wie Winterboard ermöglichen wiederum die Anpassung der Benutzeroberfläche mit verschiedenen Themes.

Große Macht, große Verantwortung

Während der Jailbreak an sich normalerweise ein ungefährlicher Prozess ist - vor der Durchführung ist trotzdem dein Backup anzuraten -, kann ein Nutzer sein Gerät durch Manipulationen am Betriebssystem im schlimmsten Fall unbenutzbar machen. Aufgepasst werden muss auch hinsichtlich Garantieleistungen. Entdeckt Apples Support im Schadensfall, dass ein Gerät jailbroken ist, können bestimmte Leistungen unter Verweis auf den Bruch der Nutzungsbedingungen verweigert werden.

Jailbreak entfernt keine SIM-Sperre

Die Providerbindung eines Gerätes wird durch einen Jailbreak nicht aufgehoben. Er bildet jedoch die Basis dafür, dies zu tun, wofür ebenfalls spezialisierte Tools wie "ultrasn0w" zum Einsatz kommen. Letzteres unterstützt jedoch aktuell keine neueren Basisbänder und funktioniert auf iOS 6 nur unter zusätzlicher Verwendung des "ultrasn0w Fixer". Heikel ist das aktuell freilich für US-Nutzer. In den Vereinigten Staaten ist nach aktueller Gesetzslage die Entfernung der SIM-Sperre bei Strafe untersagt.

Katz-und-Maus-Spiel

Die Jailbreak-Entwickler - hinter "evad3rs" stecken mehrere bekannte Größen der "Szene" - stecken mit Apple in einem ständigen Katz-und-Maus-Spiel. In Cupertino wird die Umgehung der installierten Schranken nicht gerne gesehen. Jene Schwachstellen, die die "Befreiung" des Systems ermöglicht haben, werden in der Regel in einem der folgenden Updates für iOS gekittet.

Im Laufe der Zeit ist es daher zunehmend schwieriger und langwieriger geworden, erfolgreiche Jailbreaks zu veröffentlichen. Bis man die Schranken von iOS 6 erfolgreich aushebeln konnte, dauerte es rund viereinhalb Monate. (Georg Pichler, derStandard.at, 5.2.2013)

  • Nach viereinhalb Monaten ist mit "evasi0n" nun der "untethered jailbreak" für iOS 6 erschienen.

    Nach viereinhalb Monaten ist mit "evasi0n" nun der "untethered jailbreak" für iOS 6 erschienen.

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