Kontra Leistungsschutzrecht: Förderungsfantasien

Kommentar4. Februar 2013, 19:16
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Was sich die Verlage wünschen, ist de facto eine neue Art der Presseförderung

Google ist reich, mächtig, erfolgreich und nicht gerade ein Sympathieträger. Die Quasi-Monopolstellung des Suchmaschinen-Giganten wird gerade in einem EU-Verfahren wegen "Missbrauchs einer marktbeherrschenden Position" unter die Lupe genommen; darüber hinaus zahlt Google trotz Niederlassungen in vielen europäischen Ländern keine Steuern.

Aktuell reiben sich vor allem die Verleger am Suchdienst, die sich von ihm bestohlen fühlen. Google verdiene ungerechtfertigterweise an den redaktionellen Inhalten der Medienhäuser, die es auf seiner Newsseite "darstelle", so das Argument. Kommerzielle Anbieter sollen für diese Anrisse fremden Contents bezahlen, meinen die Befürworter eines Leistungsschutzrechts, wie es in Deutschland gerade diskutiert wird. Ein verlockender Gedanke: Könnte die US-Suchmaschine die sich rapide leerenden verlegerischen Kassen nicht wieder auffüllen?

Man muss Google nicht mögen, aber man muss sich der symbiotischen Wechselwirkung derer, die Inhalte im Netz produzieren und derer, die sie online auffindbar machen, bewusst sein. Ja, die Suchmaschine hat ihr Geschäftsmodell unter anderem auf Verlinkung redaktioneller Inhalte aufgebaut. Aber: Sämtliche journalistische Produkte im Netz profitieren seit Jahren enorm von dieser Verlinkung, weil sie dadurch mehr Klicks, ergo höhere Werbeeinnahmen lukrieren. Google kopiert die Artikel nicht, sondern verweist mit einem Link auf das journalistische Angebot. Würde der Konzern damit aufhören, hätte das negative Folgen für die Zugriffszahlen der Onlinemedien. Diese Symbiose wurde von Medienseite lange dankbar genutzt - bis in der Krise Werbeeinnahmen schrumpften und man sich auf die Suche nach neuen Geldquellen machte.

Was sich die Verlage mit dem Leistungsschutzrecht wünschen, ist de facto eine neue Art der Presseförderung, die von wirtschaftlich erfolgreichen Internetunternehmen entrichtet wird. Das sollte klar ausgesprochen werden. Qualitätsjournalismus ist ein Eckpfeiler der Demokratie, und wir müssen Wege finden, ihn nachhaltig zu finanzieren. Wenn es aber tatsächlich um die Rettung des Journalismus geht, sollte Google als Komplize, nicht als Gegner gesehen werden. Der Weg dahin kann nicht über Anlassgesetzgebung führen, die Internetunternehmen unter Vorwänden zu Zahlungen verdonnert. (Anita Zielina, DER STANDARD, 5.2.2013)

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