Immer wieder Ärger mit dem rechten "Turnvater"

4. Februar 2013, 19:06
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In Niederösterreich gibt es mehrere Denkmäler für "Turnvater" Jahn. Die Symbole sind legal, sorgen aber für Debatten

Wien - Auf dem Jauerling, einem Berg am Rande der Wachau in Niederösterreich, steht ein Gedenkstein für "Turnvater" Friedrich Ludwig Jahn (1778-1852). Auf dem Denkmal sind mehrere Plaketten mit einem Zeichen angebracht, dessen Form eine STANDARD-Leserin an Hakenkreuze erinnerte. Sie wandte sich irritiert an die Zeitung und meinte, zumindest eine erklärende Zusatztafel sei dort angebracht.

Über das Symbol des Anstoßes und auch über die Verehrung Jahns wurde in der Vergangenheit schon oft debattiert. Es findet sich zum Beispiel auch auf einer Jahn-Gedenktafel auf dem Leopoldsberg und bei einem Gedenkstein in Wels sowie vor oder in diversen österreichischen Turnhallen.

Der Österreichische Turnerbund (ÖTB) habe schon in den 1990er-Jahren beschlossen, dieses Symbol nicht mehr zu verwenden, wie dessen Obmann Karl Kolar am Montag dem STANDARD sagte. Das Zeichen besteht aus vier oben abgerundeten "F"s, die im rechten Winkel zueinander angeordnet sind und für die Worte "Frisch, fromm, fröhlich, frei" stehen. Jahn gilt als Initiator der deutschen Turnbewegung - und ihm wird eine Nähe zu rassistischem und antisemitischem Gedankengut vorgeworfen.

"Nur für museale Zwecke"

ÖTB-Obmann Kolar zufolge erfüllen Fahnen oder einzelne Gedenksteine mit dem Symbol nur noch museale und archivarische Zwecke. Ob auf bestehenden Denkmälern - wie zum Beispiel jenem auf dem Jauerling - eine Zusatztafel errichtet wird, liege in der Verantwortung des jeweiligen Erhalters.

Die stellvertretende Obfrau des ÖTB Turnvereins Spitz an der Donau, Karin Fasching, sieht dafür keine Notwendigkeit. Sie meint, nur Einzelpersonen wüssten nicht, wie das Symbol zu verstehen sei. Debatte über die Errichtung einer Zusatztafel gebe es in dem Spitzer Verein keine.

Das Symbol darf der ÖTB jedenfalls verwenden: In den 1990er-Jahren hatte die Sozialistische Jugend (SJ) eine Anzeige wegen des "Verstoßes gegen das Abzeichengesetz" eingebracht und eine Kampagne über "braune Flecken" gestartet. Die SJ wurde dann 1998 aber zu Unterlassung, Widerruf und Erstattung der Gerichtskosten verurteilt. Wie aus damaligen Medienberichten hervorgeht, lautete die Begründung, dass das auf ÖTB-Plakaten verwendete Symbol aus den vier "F" nicht den Eindruck erwecke, dass der Turnerbund das Hakenkreuz verwende.

Trotzdem wurden in den Jahren danach wegen derartiger Vorwürfe an mehreren Orten nachträglich derlei Symbole verborgen oder mit einer Info-Tafel versehen. Ein Denkmal für Turnvater Jahn in Wels vor der Halle des Welser Turnvereins, erhielt im Herbst 2008 nach langem Politstreit - im Zuge dessen auch die Landesmittel für den ÖTB Oberösterreich eingefroren worden waren - eine Zusatztafel. Der Textvorschlag wurde auch Wissenschaftern und dem Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (DÖW) vorgelegt. Auf der Tafel steht nun, dass Jahn zwar als "wesentlicher Begründer des Geräteturnens" geschätzt werde, sein "deutsch-nationales, rassistisches und antisemitisches Gedankengut" aber abgelehnt wird. "Auf dieses Gedankengut hat sich auch der Nationalsozialismus bezogen. Wir verurteilen den Nationalsozialismus (...)", heißt es auf der Tafel.

Umstrittenes "F"

Das an das Hakenkreuz erinnernde Symbol aus den vier "F" beziehungsweise die Verehrung von "Turnvater" Jahn sorgte vielerorts immer wieder für Debatten, zum Beispiel 2011 jene im Linzer Volksgarten oder im steirischen Pöllau, wo das Symbol der vier "F" auch nach einer Renovierung 2001 auf einer Turnhalle erhalten blieb.

Der ÖTB war vom DÖW viele Jahre als eine rechtsextreme Organisation eingestuft worden. Heute ist das anders, da die Bundesturnzeitung inzwischen ausschließlich zur Information der Vereinsmitglieder diene, wie DÖW-Leiterin Brigitte Bailer-Galanda sagte. Über die Hintergründe könne man aber nichts sagen, man könne nur die schriftlich vorliegenden Zeugnisse beurteilen. Früher sei in der Zeitung des ÖTB auch ideologisches Gedankengut verbreitet worden. (Gudrun Springer, DER STANDARD, 5.2.2013)

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    foto: privat
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