Grenzgänger im Zwischenraum der Kunst

4. Februar 2013, 18:20
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Das Museum Moderner Kunst Kärnten widmet Fritz Steinkellner eine umfassende Werkschau

Klagenfurt - Mit Fritz Steinkellner erweist sich Kärnten einmal mehr als Exportland für bildende Kunst. Derzeit ist eine Werkschau des gebürtigen Kärntners aus Bad St. Leonhard im Museum für Moderne Kunst (MMKK) in Klagenfurt zu sehen. Es ist nicht die erste, wohl aber die umfassendste Personale, die dem künstlerischen Freigeist bisher zuteil wurde. Denn der heute 70-jährige Absolvent der Wiener Kunstakademie und Mitglied der Secession zeigte sein vielfältiges Werk bisher selten in der Öffentlichkeit.

Stattdessen experimentierte er unabhängig vom Mainstream des Kunstmarktes. Das Ergebnis ist ein Werk, getragen von hoher Qualität, das verschiedene Kunstströmungen mit Beginn der frühen 60er-Jahre aufgreift und abwandelt. Mit analytischer Prägnanz lotet der Künstler auf der Suche nach Erkenntnis Grenzen der Wahrnehmung aus und landet in Zwischenräumen, wo sich Kunst als Prozess manifestiert.

Mit fast kindlich anarchischer Lust wirft Steinkellner etwa in seinen Zeichnungen ein zunächst chaotisch anmutendes Liniengewirr aufs Papier, aus dem unvermutet plastische Köpfe und Figuren hervortreten. Grenzgänger ist Steinkellner aber auch in seinen frühen Siebdrucken und Objekten, in denen er vegetative, phallische und mechanistische Elemente zusammensetzt und damit ihrer ursprünglichen Semantik entkleidet, um sie wieder neu zu ordnen. Wandlung und Verwandlung ist das Kardinalthema.

Das zeigt sich auch an Motiven und Themen und Materialien die immer wieder variiert werden. Oft verselbstständigen sich die malerische Motive und treten als Objekte in den dreidimensional Raum.

"Fritz Steinkellners Arbeiten sind auch an den Grenzen der Medien angesiedelt. Sie oszillieren zwischen Zeichnung, Malerei und Objekt", sagt MMKK-Direktorin Christine Wetztlinger-Grundnig, die gemeinsam mit Jutta Pichler die Ausstellung kuratiert hat. Schon früh hat übrigens das MMKK begonnen Werke Steinkellners zu sammeln, denn sein Werk zeichne sich "gleichermaßen durch seinen sinnlich-visuellen als auch hohen konzeptionellen Ansatz aus", so Wetzlinger-Grundnig im Standard-Gespräch.

Aus der MMKK-Sammlung befindet sich keines in der Werkschau, wohl aber einiges aus der Sammlung des Industriellen Herbert Liaunig, der ebenfalls früh auf diesen Ausnahmekünstler aufmerksam wurde. Eine opulente Werkdokumentation begleitet die eindrucksvolle Ausstellung.

Museum unter Spardruck

Werke für das "Herzstück" des Museums, die hauseigene Sammlung, anzukaufen werde immer schwieriger, klagt die MMKK-Chefin. Leidet doch auch ihr Haus unter gekürzten Budgets. Mit rund 350.000 Euro muss man derzeit das Auslangen finden. Davon müssen Kunstsammlung, Bibliothek, Artothek, Künstler- und Ausstellungsarchiv sowie die Depotbetreuung bestritten werden.

Auch beim Personal werde gespart. Insgesamt verfüge man zwar über zwölf Planstellen, ein Teil davon seien aber nur Halbtagskräfte. Als Fachkräfte bleiben nur die Direktorin selbst sowie eine Kunsthistorikerin. Man müsse bereits Leistungen zukaufen, und Aufräumarbeiten in den Depots erledigt die Chefin mitunter auch selbst. Da man aber nicht bei der Qualität der Ausstellungen sparen wolle, wird es statt vier nur drei Ausstellungen jährlich geben.

Die Auslastung des Hauses kann sich dennoch sehen lassen: 17.000 bis 20. 000 Besucher zwischen 2011 und 2012. Ab 20. März 2013 wird Jochen Traar im MMKK zu sehen sein. (Elisabeth Steiner, DER STANDARD, 5.2.2013)

  • "Mobilar mit Schuhsohle" nannte Fritz Steinkellner das 1971 entstandene 
Objekt aus unterschiedlichem Material. 
    foto: philipp steinkellner

    "Mobilar mit Schuhsohle" nannte Fritz Steinkellner das 1971 entstandene Objekt aus unterschiedlichem Material. 

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