Hascherl in Gefahr

4. Februar 2013, 18:16
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Jeannée war ein gut gewähltes Krokodil, das die Position der Saubären würdig vertrat

Das Foto zeigt drei alte Herren, die nebeneinander sitzen. Der Mann links außen lacht: Über seinen Knien liegt eine junge Frau. Der Mann hat deren Minirock hochgezogen, darunter ist ein rosa Höschen zu sehen. Er hat die Hand gehoben, und es wird suggeriert, dass er ihr den Hintern versohlt. Das Theater in der Josefstadt wirbt mit solchen Plakaten für ein Stück auf dem Spielplan.

Eine Tageszeitung setzt auf ihr Titelbild "Buh, Männer!" Eine Zeichnung mit einer offenkundig zornigen Frau und einem Mann, dem die Schweißperlen auf der Stirn stehen.

Auf Twitter bestärken sich Frauen gegenseitig, dass eine Diskussion über Sexismus in der Hauptsache nicht den Männern, sondern nur Frauen selbst schadet. Eine Journalistin hält die ganze Debatte "für gefährlich, weil wir als Hascherl hingestellt werden". Man kann also davon ausgehen, dass darüber gesprochen werden müsste.

In "Im Zentrum" war es interessant, zu sehen, wie das passiert: Vertreter aus Politik und Justiz verloren sich in Fragen zu Gesäß- und Ohrbohrdefinitionen, Journalisten fantasierten über das "Hasen"-Thema. Dass Übergriffe nur dann strafbar sind, wenn primäre oder sekundäre Geschlechtsmerkmale betroffen sind, ist schon für sich ein Herrenwitz, doch dieser Aspekt wurde großzügig übersehen. Dafür war Michael Jeannée ein gut gewähltes Krokodil, das die Position der Saubären würdig vertrat und den untergriffigen Charakter der österreichischen Sexismusdiskussion darlegte.

Alles andere als gelungen, aber trotzdem notwendig. Die Debatte ist zu führen, weil vermutet werden darf, dass sich über die Herrenwitze noch immer Machtverhältnisse abbilden, die eherne Realität sind. Weitermachen! (Doris Priesching, DER STANDARD, 5.2.2013)

  • Michael Jeannée, Kolumnist der "Kronen Zeitung".
    foto: screenshot/orf-tvthek

    Michael Jeannée, Kolumnist der "Kronen Zeitung".

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