Griechenlands Banken als Milliardengrab

4. Februar 2013, 18:10
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Die Banken haben sich an der Entschuldung des Landes beteiligt. Die Folge: Sämtliche Großbanken müssen rekapitalisiert werden

Wien/Athen - In Petros Markaris' Kriminalroman "Faule Kredite" muss Kommissar Charitos nicht nur eine spektakuläre Mordserie im griechischen Finanzsektor aufklären, ihn beschäftigt auch eine politisch brisante Protestaktion. In halb Athen tauchen über Nacht Plakate mit Aufrufen gegen die griechischen Banken auf. Die Menschen sollen ihre Kredite nicht mehr zurückzahlen, die Banker hätten schon genug Geld gescheffelt, so die Forderung.

Im wirklichen Leben ist eine solche Protestaktion gar nicht nötig: Die schrumpfende Wirtschaft und die steigende Arbeitslosigkeit sorgen derzeit dafür, dass mehr und mehr Griechen ihre Kredite nicht bedienen können. Die Zahl der Non-Performing Loanes, also der Darlehen, auf die seit über 90 Tagen keine Zahlungen geleistet werden, ist in den vergangenen Monaten rasant gestiegen, 23,4 Prozent der Kredite gelten bereits als notleidend.

Rekapitalisierung der großen Landesbanken

Diese Entwicklung bedroht zunehmend das mit Griechenland vereinbarte Spar- und Reformprogramm. Von den 172 Milliarden Euro, die Griechenland zwischen 2012 und 2014 von den Euroländern und dem Währungsfonds (IWF) erhalten soll, sind 50 Milliarden Euro für den Bankensektor vorgesehen. Die Rekapitalisierung der großen Landesbanken soll 27,5 Milliarden Euro kosten.

Doch die Summe der faulen Kredite in den Bankbilanzen beläuft sich bereits auf 55 Milliarden Euro. Zwar sind viele der Darlehen mit Immobilien besichert, die faulen Kredite müssen also nicht eins zu eins wertberichtigt werden. Trotzdem wächst die Sorge, dass die IWF/EU-Gelder nicht ausreichen könnten und sich somit im Programm neuerlich eine Finanzierungslücke auftut. "Wenn die Trendwende gelingt und die Wirtschaft sich bis Jahresende stabilisiert, könnten die vorgesehenen Mittel für die Banken ausreichen. Geht es weiter abwärts, wird es aber schwer", sagt Konstantin Papadopoulos, Berater der Eurobank-Gruppe, dem Standard.

Die griechischen Institute laborieren nicht nur an den faulen Krediten. Die Beteiligung des Bankensektors an der Entschuldung des Landes hat die griechischen Banken rund 30 Milliarden Euro gekostet und als Folge der ganzen Aktion müssen sämtliche Großbanken rekapitalisiert werden.

Frist bis Ende April

Die vier Institute - National Bank of Greece, die Piraeus Bank, Eurobank und die Alpha Bank - haben bis Ende April Zeit, um eine von den Finanzaufsehern geforderte Kapitalerhöhung durchzuführen. Mit den Euroländern und dem IWF wurde vereinbart, dass die Banken zehn Prozent ihres Kapitalbedarfs über den Markt abdecken, während der Rest über den Eurorettungsschirm finanziert wird. Nimmt eine Bank die Zehn-Prozent-Hürde, darf das Management in Hand der privaten Minderheitsaktionäre bleiben. Doch griechische Banker bezweifeln zunehmend, dass sich für die Kapitalerhöhung überhaupt private Investoren finden. "Die Banken machen Verluste, das regt nicht unbedingt den Appetit an", meint Papadopoulos. (András Szigetvari, DER STANDARD, 5.2.2013)

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    grafik: der standard, quelle: kathimerini
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