Keine Wiederbestellung ohne Ausschreibung

4. Februar 2013, 17:57
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Zuna-Kratky und Schröder bewerben sich um Verlängerung ihrer Verträge bis 2020

Wien - Die bisherige Gepflogenheit der Kunst- und Kulturminister, die Verträge von Direktoren und Geschäftsführern - ohne vorherige Ausschreibung des Postens - en passant zu verlängern, gehört der Vergangenheit an: Der Public-Corporate-Governance-Kodex, von der Bundesregierung am 30. Oktober 2012 beschlossen, schreibt zwingend vor, dass die Regelungen für die Bestellung von Führungskräften, darunter die Ausschreibungspflicht vor der Betrauung mit einer Leitungsfunktion, auch für Wiederbestellungen gelten.

Die neuen Grundsätze der Unternehmens- und Beteiligungsführung im Bereich des Bundes sehen vor, dass die Funktion "möglichst sechs Monate vor, spätestens jedoch innerhalb eines Monats nach Freiwerden" öffentlich auszuschreiben ist. Um zu verhindern, dass vor Nationalratswahlen noch schnell Personen bestellt werden, deren Dienstantritte erst weit in der Zukunft liegen, darf die Ausschreibung nur aus "zwingenden Gründen" vor Ablauf eines Jahres vor Freiwerden bzw. Beendigung der Laufzeit einer Funktion erfolgen.

Ein zwingender Grund liegt vor, wenn, wie im Kunstbereich, langfristig geplant werden muss. Wörtlich: "Dies ist beispielsweise bei künstlerischen Geschäftsführern in Theaterbetrieben der Fall, die eine Spielsaison aufgrund notwendiger Engagements von Künstlern in der Regel mehr als ein Jahr vorausplanen müssen."

Aufgrund des Public Corporate Governance Kodex schrieb Kulturministerin Claudia Schmied (SPÖ) kürzlich die wissenschaftlichen Geschäftsführungen der Albertina und des Technischen Museums Wien aus. Beide Stellen werden ab 1. Jänner 2015 für die Dauer von fünf Jahren besetzt.

Seit 1. Jänner 2000 leitet Klaus Albrecht Schröder, geboren 1955 in Wien, die grafische Sammlung Albertina beziehungsweise Gabriele Zuna-Kratky, Jahrgang 1957, das Technische Museum Wien. Sie müssen sich nun für eine nochmalige Verlängerung ihrer Verträge bewerben und wurden vom Kulturministerium ausdrücklich dazu eingeladen.

Bewerben kann man sich bis spätestens 28. Februar, der vollständige Ausschreibungstext ist auf der Homepage des Kulturministeriums abrufbar. Die Chancen für eine Bestellung stehen allerdings schlecht: Beide Direktoren gaben bekannt, sich um eine vierte Funktionsperiode bewerben zu wollen. Sie finden die neue Regelung durchaus vernünftig. (Thomas Trenkler, DER STANDARD, 5.2.2013)

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