Liquiditätsschwemme trifft Aktienfonds

4. Februar 2013, 17:57
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Anleger spülen wieder Geld in die Aktienmärkte. Sie wollen damit den niedrigen Renditen bei vielen sicheren Anleihen entgehen

Wien - Investoren fassen zusehends wieder Vertrauen in die Aktienmärkte. Allein in der letzten Jänner-Woche sind laut Daten des Branchendienstes EPFR weltweit 18,7 Milliarden Dollar (13,8 Milliarden Euro) in Aktienfonds geflossen. Seit Jahresbeginn haben Anleger 57,8 Milliarden Dollar investiert. Für die Anlageklasse war es damit der beste Jahresauftakt seit 2006.

William Davies, Aktienchef bei der britischen Fondsgesellschaft Threadneedle, geht davon aus, dass sich der Optimismus noch fortsetzt: " Das Vertrauen ist nach den starken Aktiengewinnen 2012 in den Markt zurückgekehrt." Das spiegelt sich auch an den Kurstafeln wieder. Zuletzt hat der US-Leitindex Dow Jones die Marke von 14.000 Punkten übersprungen. Der Weltaktienindex MSCI World notierte erstmals seit 2008 über der Marke von 1400 Punkten.

Märkte im historischen Vergleich teuer

Russ Koesterich, Chefstratege beim ETF-Anbieter iShares, hält die Aktienmärkte nach wie vor für attraktiv, zumindest relativ zu den Anleihen. "Die sicheren Häfen wie Staatsanleihen sind riskanter als viele Anleger sich eingestehen." Denn bei steigenden Zinsen und selbst moderater Inflation würde die Kaufkraft von Investoren bei Anleiheninvestments schrumpfen. Dazu kommt: die jüngste Begeisterung für Aktien kommt nach jahrelangem Misstrauen und Abflüssen. Laut EPFR sind seit 2011 mehr als 200 Milliarden Dollar aus Aktienfonds abgezogen worden.

Doch auch Aktienoptimisten haben nicht mehr alle Argumente auf ihrer Seite. So sind viele Aktienmärkte im historischen Vergleich recht teuer geworden. "Es ist schwieriger geworden. US-Aktien per se sind etwa nicht mehr günstig", sagt Koesterich. Auch Threadneedle-Aktienexperte Davies sieht Potenzial bei Aktien nur, wenn der Optimismus der Anleger anhält. Weil die Unternehmensgewinne bereits recht hoch seien, müssten sich die Kurs-Gewinn-Verhältnisse ausweiten. Anleger müssten daher bereit sein, " eine Prämie für Aktien zu zahlen, weil die Renditen bei Anleihen gering sind". Doch jede Unsicherheit, etwa im US-Budgetstreit, könnte zu Verlusten führen.

Angsteffekt

In dieselbe Kerbe schlägt auch Mathias Bauer, Chef von Raiffeisen Capital Managment. "Aktien sind wieder im Trend, aber Fundamentaldaten sind wichtiger denn je", sagt er zum Standard. Man müsse in jedem Fall prüfen, ob ein Unternehmen den neuen Zeiten Stand halte und das Geschäftsmodell Potenzial hat. Zudem notierten viele Unternehmen bereits auf einem hohen Niveau.

Als Grund für die Rückkehr der Investoren nennt Bauer "die Angst, die jetzt beginnt, aus dem System zu entweichen". Vor allem in Europa habe es den Angsteffekt gegeben, der dazu geführt habe, dass alles, was außerhalb von Deutschland war, "extrem geprügelt wurde". Viele Märkte, etwa der Wiener ATX, seien daher noch weit von ihren Höchstständen entfernt, während der deutsche Dax mit rund 7700 Punkten sich dem All-Time-High (8105 Punkte) bereits ganz gut genähert hat.

Investoren seien auf ihrer Suche nach Alternativen jedenfalls wieder bereit, Risiko in Kauf zu nehmen - "das gilt für Institutionelle Anleger genauso wie für Private", sagt Bauer. Seit gut einem halben Jahr sei hier eine Trendwende zu erkennen.

Dividenden überzeugen

Ein ähnliches Bild zeigt sich auch in einer anderen Kapitalanlagegesellschaft: "Wir setzen seit Mitte 2012 vor allem auf europäische Aktien. Die günstigen Bewertungen - Dividendenrenditen liegen über den Renditen von Staatsanleihen der Kernländer - sprechen für Europa", sagt Hans Köck, Head of Investment Communications bei Pioneer Investments Austria. Das zeigt sich auch in den Zahlen der Vereinigung österreichischer Investmentgesellschaften (VÖIG): Die Nettozuflüsse in die Aktienfonds sind seit Juli 2012 wieder positiv. In den letzten sechs Monaten des Vorjahres sind knapp 1,2 Milliarden Euro in diese Fonds geflossen. (Bettina Pfluger, Lukas Sustala, DER STANDARD, 5.2.2013)

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    Eine Welle von Kapital rollt nach jahrelanger Dürre in die Aktienmärkte. Höhere Rendite-Aussichten locken Anleger.

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