Mädchenmörder Dutroux beantragte vorzeitige Haftentlassung

4. Februar 2013, 17:29
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Mit einer elektronischen Fußfessel will er den langsamen Weg in die Freiheit und Rehabilitierung antreten

Der wegen Entführung, Vergewaltigung und Folter von sechs Mädchen sowie vierfachen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilte Marc Dutroux sorgt in Belgien erneut für Schlagzeilen - und Empörung. Acht Jahre nach dem Urteil stellte der heute 56-Jährige im September einen Antrag auf vorzeitige Haftentlassung: 16 Jahre saß er seit der Verhaftung 1996 ein.

Mit einer elektronischen Fußfessel will er den langsamen Weg in die Freiheit und Rehabilitierung antreten. Das zuständige Gericht beriet dazu am Montag. Dutroux wurde unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen in den Justizpalast gebracht. Haftentlassung sei "undenkbar", schallte es im Vorfeld aus fast allen Zeitungen und TV-Stationen. Es ist nach einhelliger Auffassung von Justizexperten praktisch ausgeschlossen, dass das Überprüfungsgericht dem Antrag stattgeben wird. Dutroux hat bis heute keine Reue über die Taten gezeigt. Allein die Möglichkeit, dass jener Mann, der vor fast zwanzig Jahren das Land in eine kollektive und emotionale Krise gestürzt hatte, bringt viele Belgier auch heute wieder auf.

In Keller gesperrt

Im Sommer 1995 waren der Reihe nach junge Mädchen, Kinder, spurlos verschwunden. Monatelang beteiligte sich die Bevölkerung an der Suche. Die verzweifelten Eltern der Mädchen hatten dazu im Fernsehen immer wieder aufgerufen. Am Ende stellte sich heraus, dass Dutroux - ein behördlich registrierter Krimineller und Vergewaltiger, den die Polizei zwischendurch sogar festgenommen, aber wieder freigelassen hatte - die Mädchen systematisch verschleppt und in einen Keller gesperrt hatte. Sie wurden missbraucht, vier kamen qualvoll um, verhungerten.

Hunderttausende Belgier gingen damals auf die Straße, um gegen die Unfähigkeit von Polizei und Justiz zu protestieren. Die Beamten hatten sogar das Haus durchsucht, in dem das Kellerverlies war, aber nichts Verdächtiges bemerkt. Bis heute halten sich Gerüchte, dass ein Mädchenhandel in prominenten Kreisen geschützt worden sein soll.

Tat nicht bereut

Dutrouxs Frau Michel Martin, die von den Entführungen und vom Bunker im Haus wusste, hatte nichts unternommen, um die Mädchen zu befreien. Auch sie war 2004 zu einer hohen Haftstrafe verurteilt worden. Anders als bei Dutroux wurde einem Antrag von Michelle Martin auf vorzeitige Entlassung in ein Kloster im vergangenen Sommer stattgegeben. Auch das hatte in der Bevölkerung für Proteste gesorgt.

Wann das Gericht seine Entscheidung bekanntgeben werde, war Montagnachmittag unklar. Formal hätte es zwei Wochen Zeit. Dutroux, dessen Anwalt den Entlassungsantrag als "symbolisch" bezeichnete, wird jedenfalls noch länger hinter Gittern bleiben, da die Frist für eine vorzeitige Entlassung und Wiedereingliederung noch länger läuft. (Thomas Mayer aus Brüssel, DER STANDARD, 5.2.2013)

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    Marc Dutroux bei seiner Anhörung.

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