Die jungen Räuber aus gutem Wiener Haus

4. Februar 2013, 17:23
134 Postings

Sieben Teens und Twens sitzen vor Gericht, da sie Passanten auf der Straße beraubt haben sollen. Die Besonderheit: Alle kommen aus geordneten Verhältnissen, sechs von ihnen wollen vom Ersttäter immer wieder überrumpelt worden sein

Wien - Daniela Zwangsleitner, Vorsitzende des Schöffensenats, macht aus ihrem Herzen gleich zu Beginn keine Mördergrube. "Ich finde es wirklich traurig, dass Sie hier sitzen", sagt sie im Wiener Straflandesgericht am Start der Verhandlung gegen sieben junge Männer. "In Ihren Vernehmungen haben Sie alle gesagt, Sie hätten eine glückliche Kindheit gehabt", wundert sie sich.

In der Tat sehen die 18- bis 20-Jährigen, die an diesem Montag vor ihr sitzen, eher nicht so aus, wie man sich eine Jugendgang, die Passanten beraubt, so vorstellt. Sie stammen aus der Mittelschicht, gehen teilweise im 1. Bezirk ins Gymnasium, machen die Maturaschule oder eine Lehre zum "Medienfachmann". Der Erstangeklagte Sebastian Z. war Berufssoldat, als er im Vorjahr festgenommen worden ist.

Nicht wirklich furchterregend

Trotzdem sollen sie in wechselnder Zusammensetzung Raube, Diebstähle und Betrugsdelikte begangen haben. Wirklich imposant und furchterregend sieht keiner von ihnen aus, speziell der sechste und der siebte, Zwillinge, würden wohl nicht einmal Unterstufenschüler in Furcht und Schrecken versetzen.

Also machte es die Masse, wirft Staatsanwalt Ewald Stani dem Septett vor. Durch gemeinsames Auftreten hätten sie die Opfer, von denen nur eines namentlich bekannt ist, eingeschüchtert. Das letzte halt nicht mehr. Der war nämlich - für die Angeklagten blöderweise - ein verdeckter Ermittler. Und als sie von diesem in der Nähe der U-Bahn-Station Schottenring Geld wollten, sahen sie sich plötzlich von Polizisten umringt.

Todesangst und nasse Hosen

Das scheint den Großteil der Gruppe nachhaltig beeindruckt zu haben. So erklären sie zumindest, warum sie bei der Polizei Aussagen gemacht haben, die sie nun allesamt widerrufen. "Ich hatte Todesangst", erklärt beispielsweise einer, "ich hatte nasse Hosen."

Nur Sebastian Z. bekennt sich schuldig und entlastet die anderen. Er sei immer spontan auf die Opfer zugegangen, der Rest der Gruppe sei abseits gestanden. Nur bei einem Opfer sei Marvin P. mit einer Gaspistole in der Jacke dazugekommen und habe diese auf die Aufforderung "Zeig einmal meine Freundin her", gezogen.

Die anderen bekennen sich nicht oder nur teilweise schuldig. Sie seien als Clique immer ausgegangen, und immer wieder sei Z. dann zu Passanten gegangen und habe denen Zigaretten oder Geld weggenommen, behaupten sie. Damit hätten sie aber nichts zu tun gehabt - erst beim letzten Coup sei vorab ausgemacht worden, dass sie als Drohkulisse hinter dem Haupttäter auftreten sollen.

Relativ milde Urteile

Weder Zwangsleitner noch Stani wollen das recht glauben. "Sie haben immer wieder erlebt, dass Z. den Leuten etwas wegnimmt. Warum gehen Sie dann weiter mit ihm fort?", fragt die Vorsitzende. "Wir haben uns gedacht, er ändert sich", lautet eine Antwort. "Sonst macht Z. immer alles spontan, und nur beim letzten Fall haben Sie sich vorher abgesprochen?", ist der Ankläger skeptisch.

Der Schöffensenat zollt Zwangsleitners anfänglicher Traurigkeit dennoch Tribut und fällt rechtskräftige milde Urteile. Der Erstangeklagte bekommt zwei Jahre Haft, davon ein halbes unbedingt, drei Angeklagte zwischen 4,5 und sechs Monate bedingt, und drei werden freigesprochen. (Michael Möseneder, DER STANDARD, 5.2.2013)

  • Schwedenplatz, Schottenring, Prater: Dort soll ein Septett aktiv gewesen sein - bis es einen Kriminalbeamten berauben wollte.
    foto: standard/cremer

    Schwedenplatz, Schottenring, Prater: Dort soll ein Septett aktiv gewesen sein - bis es einen Kriminalbeamten berauben wollte.

Share if you care.