Weshalb Hirscher nicht sudern wird

4. Februar 2013, 17:17
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Schneefall unterband das Training auf dem Berg, also wird Marcel Hirscher die Superkombi eher nicht fahren. Dafür bricht er eine Lanze für den Teambewerb - und spricht darüber, wie er mit dem Wunsch des Volkes nach Medaillen umgeht

Schladming - Am Montag um zwölf wurde das Österreich Haus offiziell eröffnet. Zuvor hatte man Gelegenheit, ebendort mit Marcel Hirscher zu plaudern, von dem sich die Nation allerhand erwartet bei diesen alpinen Titelkämpfen, 42. Auflage. Daran freilich ist der 23-jährige Salzburger einzig und allein selbst schuld. Schließlich dominiert er den Sport seit eineinhalb Jahren, fixierte im Vorjahr den Gewinn des Gesamtweltcups just beim Finale in Schladming und hat im aktuellen Bewerb 214 Punkte Vorsprung auf seinen ersten Verfolger, den Norweger Aksel Lund Svindal, dem in Schladming naturgemäß auch recht viel zuzutrauen ist.

"Der Zweiwochenplan, den wir aufgestellt haben", sagt Hirscher und schaut hinauf auf die Planai, wo sie gerade den Neuschnee hinausrutschen, "ist durch den Wind geworfen worden." Hirscher kam auf Kurzbesuch nach Schladming, er bereitet sich daheim in Annaberg auf seine Auftritte vor. Und weil es dort genauso schneite, konnte er am Sonntag und am Montag nicht auf den Berg. Weshalb sein Plan, bei der WM auch in der Superkombination am Montag kommender Woche anzutreten, eher nicht umzusetzen sein wird. Es sei denn, "ich erwisch noch einen super Trainingstag, aber das wird nicht der Fall sein".

Großereignisse meinten es bisher nicht gut mit Hirscher. Die WM 2011 in Garmisch verpasste er wegen einer Verletzung, 2009 in Val d'Isère belegte er den unbelohnten vierten Platz im Riesenslalom, 2010 bei Olympia in Vancouver gelangen ein vierter (Riesenslalom) und ein fünfter Platz (Slalom).

In diesen beiden Übungen von Schladming ist Hirscher jedenfalls Favorit auf zumindest auf eine Medaille. Bei 15 Gelegenheiten im Weltcup inklusive City- Events schmückte er im bisherigen Winter 14-mal das Podium. Klar wäre es blöd, sollte genau in Schladming diese Serie reißen. "Aber irgendwann fällst du aus, wenn du nicht dein ganzes Leben lang mit Halbgas fährst. Und wenn das hier passiert, werde ich auch nicht sudern."

Und wenn andere über den nicht allzu beliebten Teambewerb sudern, der am Dienstag kommender Woche gegeben wird, dann versteht Hirscher das gar nicht. Er hält ihn für eine tolle Sache. "Medien, Moderatoren von Skirennen und Athleten sind schuld daran, dass der Teambewerb im alpinen Bereich nicht den Stellenwert hat, den er sich verdient hat. Bei der WM kann man davon ausgehen, dass die Besten der Besten antreten werden. Und es wird sicher einer der zachsten Bewerbe, um eine Medaille zu machen. Ich brauch mir da nur die USA anschauen oder die Deutschen", sagt er. " Also möcht ich auch dabei sein. Ich finde, der Bewerb ist genauso hochwertig wie in jedem anderen Wintersport. Es wird sicher sehr spannend."

"Schneller, höher, weiter"

Er, Hirscher, hat gar nichts dagegen einzuwenden, wenn man behauptet, er befinde sich gegenwärtig in der Form seines Lebens. "Aber ich muss auch davon überzeugt sein, dass es immer schneller, höher, weiter, besser geht. Das ist mein Antrieb. Und wenn ich den nicht mehr habe, beginne ich mich zurück zu entwickeln, dann ist es Zeit aufzuhören."

Jetzt aber ist die Zeit gekommen, auch Wünsche des Volkes zu erfüllen. " Ich könnt mir jetzt einreden, ich bin der arme Marcel, jeder erwartet was von mir. Das weiß ich ja. Aber voriges Jahr hat sich auch jeder erwartet, dass ich den Nachtslalom in Schladming gewinne. Da schauen 50. 000 live zu und eineinhalb Millionen im Fernsehen. Das ist die gleiche Situation."

Hirscher, der den Nachtslalom gewann, über seine WM-Auftritte: "Ich kann nur versuchen, die eventuelle Enttäuschung vieler Menschen nicht zu ignorieren. Und das Einzige, was ich jetzt tun kann, ist, hinaufzugehen und alles zu geben. Das ist die einzige Chance, dass du den Leuten eine Freude machen kannst. Wenn du lauwarm runterfährst, kannst du ihnen sicher keine Freude machen, dann wirst du nur Zehnter. Und wenn ich ausfalle, muss ich halt damit leben." (Benno Zelsacher, DER STANDARD, 5.2.2013)

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    "Ich könnt mir jetzt einreden, ich bin der arme Marcel, jeder erwartet was von mir." Aber genau das tut Hirscher nicht.

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