Krebs: Österreich fehlen Strahlentherapiegeräte

Gastkommentar4. Februar 2013, 17:13
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Ein charakteristisches Opfer der ökonomisierten Welt ist die strahlentherapeutische Krebstherapie des Landes

Stellen Sie sich vor, Sie haben Krebs, brauchen eine Strahlenbehandlung, und es heißt: Bitte warten, bitte warten, bitte warten. Sie haben Angst, Schmerzen, Beschwerden bedrohlicher Art ... und warten. Das ist aber nur ein Teil der Konsequenzen einer strahlentherapeutischen Unterversorgung, wie sie gerade für Österreich eindrucksvoll konstatiert wurde.

Dies ist nämlich der eindeutige Schluss eines Artikels aus der renommierten Fachzeitschrift "Lancet Oncology", verfasst von einer internationalen UNO-Organisation, deren Objektivität in keiner Weise anzweifelbar ist. Aber warum ist das so?

Die Folgen der ökonomisierten Welt

Wir leben in einer ökonomisierten Welt, das heißt, entschieden wird im Wesentlichen von "Krämern", Fachkompetenz spielt kaum noch eine Rolle. Besonders die Politik ist von dieser Spezies stark durchwachsen. Da "Krämer" sich aber nur mit Geld auskennen, versuchen sie nun auch das Gesundheitswesen über Geld zu steuern. Ein charakteristisches Opfer ist die strahlentherapeutische Krebstherapie des Landes.

Warum? Die leistungsorientierte Krankenhausfinanzierung (LKF) sieht eine grundsätzlich brauchbare Honorierung strahlentherapeutischer Leistungen vor. Allerdings mit einem kleinen Fehler, sie bezahlt nämlich nur stationäre Leistungen. Der überwiegende Teil der radioonkologischen Behandlungen erfolgt aber ambulant, im Klartext also zum Nulltarif. Der finanzielle Deckungsgrad strahlentherapeutischer Leistungen im Krankenhaus ist sehr gering und defizitär. Kein Wunder also, dass unsere betriebswirtschaftlich denkenden Krankenhausträger und -verwalter keinerlei Lust haben, hier zu investieren, obwohl es sich nachweislich volkswirtschaftlich rechnet.

Es geht auch anders

Das genaue Gegenteil sehen wir nun in der Schweiz. Dort sind radioonkologische Leistungen sehr gut honoriert, so dass jedes Krankenhaus, das nur ansatzweise onkologisch tätig ist, sich eine Cashcow namens Strahlentherapie leistet. Beide Auswüchse sind in der nun publizierten Statistik klar erkennbar.

Nur so viel also zur genialen Idee unserer Politik, das Gesundheitswesen über die Finanzierung zu steuern. Im Übrigen kämpft die radioonkologische Community des Landes seit Jahrzehnten für eine intelligentere Finanzierungsweise, scheiterte aber bisher am Desinteresse des zuständigen Ministeriums. Grund: Die Strahlentherapie ist so billig, dass sie im System finanziell gar keine Rolle spielt und demgemäß eigene Finanzierungsregelungen gar nicht der Mühe wert sind.

Der westeuropäische Standard (Durchschnitt) an Geräten pro Million Einwohner beträgt 7, 3 Linearbeschleuniger, Österreich hat 5,1! Die radioonkologische Infrastruktur wird zum Beispiel in Wien gerade halbiert statt ausgebaut. Die Konsequenzen sind: Warten, und das mit Schmerzen. (Robert Hawliczek, derStandard.at, 4.2.2013)

Robert Hawliczek ist Bundesfachgruppenobmann für Strahlentherapie/Radioonkologie Österreich.

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