Die Seele im Spiegel

4. Februar 2013, 17:26
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Bernarda Horres inszeniert an den Linzer Kammerspielen eine überarbeitete Version von Schnitzlers "Traumnovelle"

Linz - Zu Beginn dreht sich ein schönes Bühnenbild, das sich dem Publikum öffnet (Anja Jungheinrich): es ist Pavillon, Spiegelkabinett und Manege, eine Umgebung für eines jener Paare, das zu lange verheiratet ist und nicht weiß, wohin man flüchten kann, zumal der andere ständig präsent ist. Da bleiben die Vergangenheit und die Erzählung verpasster Seitensprungchancen oder der Traum und mit ihm eine Welt, in der es sich nur vor einem zu fürchten gilt: der eigenen Courage.

Beinahe 20 Jahre soll Arthur Schnitzler an seiner Traumnovelle gearbeitet haben, jenem Spiegelbild von des Autors eigener Seele. John von Düffel kürzt zwar, ein gewisser Hang zu Längen aber ist nicht zu übersehen. Und so spielen sich vor allem Katharina Hofmann und Lutz Zeidler tapfer durch Passagen, die sich in ausufernden Beschreibungen eines Paares ergehen, das in der Krise steckt. Anstatt wie bei Schnitzler Fridolin (Arzt, Ehemann) und Albertine (Ehefrau, Mutter) heißen sie Albert und Tine. Die Handlung wird über weite Strecken beibehalten: Nach einem Maskenball, von dem das Paar zurückkommt, brechen die letzten Schutzwälle der Beziehung. Als Albert zu einem Notfall gerufen wird, beginnt für ihn eine Reise durch eigene Abgründe.

Wirklich großer Gefahr wird er in dieser Bearbeitung indes nicht ausgesetzt, immer wieder steckt die Inszenierung in langen Passagen fest, in denen Spannung verlorengeht; man hält sich an Zitaten fest: etwa wenn Bettina Buchholz wie einst Julee Cruise mit dünnem Stimmchen anhebt, wenn der Klavierspieler die Bassline zu Angelo Badalamentis Twin Peaks-Thema anstimmt. Neben Buchholz, die auch die Marianne gibt, und Barbara Novotny u. a. als "Babynutte" Mizzi brilliert auch Sebastian Hufschmidt in mehreren Rollen, etwa als "Maskenmann". (Wiltrud Hackl, DER STANDARD, 5.2.2013)

  • John von Düffel hat die "Traumnovelle" gekürzt; ein gewisser Hang zu 
Längen aber bleibt.
    foto: christian brachwitz

    John von Düffel hat die "Traumnovelle" gekürzt; ein gewisser Hang zu Längen aber bleibt.

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