Ägyptens Kulturminister tritt aus Protest gegen Polizeigewalt zurück

4. Februar 2013, 21:09
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Offenbar Reaktion auf schockierendes Video - Aktivist starb nach Folter

Kairo - Der ägyptische Kulturminister Mohammed Saber Arab ist am Montag aus Protest gegen Polizeiwillkür in seinem Land zurückgetreten. Amtliche Medien berichteten, der Rücktritt sei die Reaktion auf die Misshandlung eines Mannes durch Polizisten in Kairo. Ein Video zeigte am Wochenende, wie offenbar am Rande von Protesten am Freitag Polizeikräfte den 50-jährigen Arbeiter beim Präsidentenpalast mit Knüppeln verprügeln und ihm die Kleider vom Leib reißen. Dann wird der Mann nackt zu einem Transporter geschleift. Das Video hatte in ganz Ägypten Empörung ausgelöst.

Aktivist nach Misshandlungen gestorben

Die jüngsten Krawalle in Ägypten haben zwei weitere Todesopfer gefordert. Lokale Medien berichteten, der junge Aktivist Mohammed al-Guindi sei im Al-Hilal-Krankenhaus in Kairo am Montag an den Folgen schwerer Misshandlungen gestorben. Er gehörte der Volksbewegung des ehemaligen Präsidentschaftskandidaten Hamdien Sabahi an. Sein Schicksal sorgt für neue Unruhe in Ägypten, denn der jungen Mann soll kein gewaltbereiter Randalierer gewesen sein.

Al-Guindi war während der Proteste gegen die islamistische Regierung am zweiten Jahrestag der "Revolution des 25. Jänner" mit einem Polizeioffizier aneinandergeraten. Er verschwand und soll später in ein Gefängnis der Ordnungspolizei gebracht worden sein. Vor einer Woche tauchte er dann in dem Krankenhaus auf. Das Innenministerium gab an, er habe einen Autounfall gehabt.

Amr Saad (20), ein weiteres Mitglied der Bewegung, starb nach Informationen der Zeitung "Al-Masry Al-Youm" an den Folgen einer Schussverletzung. Diese hatte er sich bei einer Straßenschlacht zwischen Demonstranten und der Polizei vor dem Präsidentenpalast zugezogen.

Misshandelter Demonstrant beschuldigt Polizei

Damit sind in Ägypten, wo sich die regierenden Muslimbrüder und die säkulare Opposition ineinander verbissen haben, seit dem zweiten "Revolutionsjubiläum" am 25. Jänner 55 Menschen bei Krawallen ums Leben gekommen.

Ein Ägypter, der bei einer Demonstration in Kairo von Polizisten nackt über die Straße geschleift wurde, entschloss sich indes in der Nacht zum Montag, die Polizei zu beschuldigen. Zunächst hatte er behauptet, Demonstranten hätten ihn misshandelt. Dies hatte den Verdacht nahegelegt, dass er von der Polizei unter Druck gesetzt worden war. Eine TV-Kamera hatte festgehalten, wie Polizisten den am Boden liegenden, nackten Mann schlugen und über den Asphalt zerrten. Der arbeitslose Anstreicher war nach der Prügelattacke vor dem Präsidentenpalast in der Nacht zum Samstag verletzt in ein Krankenhaus eingeliefert worden.

Ermittlungen gegen Polizisten

Das ägyptische Nachrichtenportal "Al-Ahram" berichtete am Montag, Hamada Saber habe dem Staatsanwalt jetzt berichtet, wie ihn die Ordnungspolizei vor dem Palast misshandelt habe. Inzwischen wird gegen einen Polizeioffizier und 15 Polizisten ermittelt.

Unbekannte beschossen nach Informationen aus Sicherheitskreisen am Montag den zivilen Flughafen der ägyptischen Stadt Al-Arish. Den Angaben zufolge wurde niemand verletzt. Die Angreifer hätten eine Panzerfaust eingesetzt, hieß es. Der Flughafen blieb geöffnet. Ein Armeesprecher dementierte den Bericht über den Angriff.

Die Sicherheitslage in der Provinz Nord-Sinai, die an Israel und den Gazastreifen grenzt, ist seit dem Sturz des Regimes von Präsident Hosni Mubarak im Februar 2011 schlecht. (APA, 4.2.2013)

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