Stromerzeugung aus Windkraft im Vormarsch

4. Februar 2013, 15:09
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Auf Windkraft entfallen von 2011 bis 2035 weltweit 20 Prozent des Kapazitätsausbaus, in der EU sogar fast 40 Prozent

Wien - Beim Umbau des Energiesektors hin zu mehr Erneuerbaren Energien kommt der Stromerzeugung aus Wind eine zentrale Rolle zu. Darüber waren sich die Redner bei der Eröffnung des internationalen EWEA-Windkraftkongresses einig, der von 4. bis 7. Februar in Wien stattfindet, darunter Staatssekretär Josef Ostermayer (SPÖ), Umweltminister Niki Berlakovich (ÖVP), der irische Energieminister Pat Rabbitte sowie IEA-Chefökonom Fatih Birol.

Höchstpreise für Erdöl

Grundlage der weltweiten Veränderung des Energiesystems seien die Wiederkehr von Öl und Gas in einigen Ländern, wie etwa den USA, Kanada und Australien, der Rückzug aus der Nuklearenergie nach Fukushima, etwa in Deutschland oder in der Schweiz sowie der zunehmende Fokus der Politik auf Energieeffizienz, so Birol. Die Höchstpreise für Erdöl bremsten das globale Wirtschaftswachstum. Europa sei dabei wegen der Ölpreisbindung auch von relativ höheren Gaspreisen betroffen.

Es gebe weiterhin Zeichen für ein nicht-nachhaltiges Energiesystem. Die weltweiten Subventionen für fossile Energieträger hätten im Jahr 2011 523 Milliarden Dollar (aktuell 383,3 Milliarden Euro) erreicht. Das sei ein Anreiz CO2 zu emittieren, das einem Ausmaß von 110 Dollar pro Tonne CO2 entspreche. Das mache keinen Sinn. Aktuell liegt der Preis für europäische CO2-Zertifikate bei rund vier Euro pro Tonne. Die Förderungen für Erneuerbare Energien seien 2011 bei 88 Milliarden Dollar gelegen. Die CO2-Emissionen erreichten Rekordwerte, die Situation für erneuerbare Energien sei aber weiter angespannt. Zudem hätten nach wie vor 1,3 Milliarden Menschen keinen Zugang zu Strom.

Windkraft ausgebaut

Auf Windkraft entfallen im Zeitraum 2011 bis 2035 weltweit 20 Prozent des Kapazitätsausbaus, in der EU seien es sogar fast 40 Prozent. Eine Barriere für die Windkraft sieht der IEA-Chefökonom weniger in der mangelnden Verfügbarkeit als in der mangelnden Glaubwürdigkeit der Politik.

Irlands Energieminister Pat Rabbitte betonte, der Windkraft-Anstieg in Europa zeige, dass die Politik eine solide Basis für Investitionen gelegt habe. Über eine Festlegung von EU-Zielen über das Jahr 2020 hinaus gebe es noch keine Entscheidung, die Diskussion habe erst begonnen. Erneuerbare Energien würden aber auch weiterhin eine wichtige Rolle spielen. An wichtigen Themen auf europäischer Ebene stünden in diesem Halbjahr das Emissionshandels-Regime und der integrierte Strom- und Gasmarkt an. Irland hat bis Ende Juni die Ratspräsidentschaft inne.

Die Türkei werde ihren großen Energiebedarf auch mit erneuerbaren Energien, Wasser, Wind und Sonne decken, so der stellvertretende türkische Energieminister Hasan Murat Mercan. Die Türkei verfüge über gute Wind-Ressourcen und werde auch weiter Anreize für Investitionen in diese Energieform setzen.

Vorreiterrolle Österreichs

Staatssekretär Ostermayer betonte den hohen Stellenwert der Erneuerbaren Energie in Österreich und die Vorreiterrolle Österreichs bei der völligen Stromkennzeichnung, zu der sich die Politik im Rahmen des Energiegipfels gegen Atomkraft verpflichtet hat. Gleichzeitig soll der Anteil der fossilen Energie bei gleichzeitigem Ausbau der Erneuerbaren reduziert werden.

Umweltminister Berlakovich wies darauf hin, dass angesichts der massiven Unterstützung von fossilen Energieträgern sowie Nuklearenergie auf die Wichtigkeit der Unterstützung von Erneuerbarer Energien, wie beispielsweise im österreichischen Ökostromgesetz.

Auf der parallel zum Kongress stattfindenden Windkraftmesse der European Wind Association (EWEA) sind mehr als 400 Aussteller vertreten, davon rund 30 aus Österreich. (APA, 4.2.2013)

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    Eine Barriere für die Windkraft sieht IEA-Chefökonom Birol in der mangelnden Glaubwürdigkeit der Politik.

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