Nachstellung von Shackletons Rettungsmission gelungen

11. Februar 2013, 21:52
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Nach der Überquerung des Südatlantik in einem kleinen Holzschiff gelang das Vordringen ins bergige Binnenland Südgeorgiens - allerdings mit modernen Hilfsmitteln

Sydney - Auf den Spuren des Polarforschers Ernest Shackleton haben sechs Abenteurer an Bord der "Alexandra Shackleton", einem Nachbau von Shackletons Rettungsboot "James Caird", den Südatlantik überquert. Die Männer aus Großbritannien und Australien legten in dem kleinen Holzschiff in zwölf Tagen fast 1.500 Kilometer zurück und erreichten am Montag vergangener Woche die Insel Südgeorgien. Zwei der Männer, Tim Jarvis und Barry Gray, konnten nun auch das letzte Missionsziel abschließen, brauchten dazu aber moderne Ausrüstung.

Die Abenteurer mussten zu Fuß ins bergige Binnenland Südgeorgiens vordringen. Jarvis und der 38-jährige Gray bezwangen einen Gletscher, benötigten dafür aber wegen eines schweren Sturms mehr als die geplanten 24 Stunden. "Ein falscher Schritt, und wir wären in eine Gletscherspalte gerutscht", berichtete Jarvis nach der Ankunft. Um am Leben zu bleiben, mussten die beiden ein modernes Zelt und Schlafsäcke benutzen.

Die zwei Männer erreichten in der Nacht zum Montag (Sonntag, 23.34 Uhr MEZ) die alte Walfangstation in Stromness auf der Insel Südgeorgien im Südatlantik, nachdem sie im Schneesturm einen Berg im Zentrum der Insel überquert hatten. "Das war Wahnsinn, echter Wahnsinn, und wir sind allen Widrigkeiten zum Trotz angekommen", sagte Jarvis. Vier Begleiter und ein Filmteam waren zuvor in Sicherheit gebracht worden.

Hintergrund: Aufbruch von der Elefanteninsel

Unter der Führung des 46-jährigen Australiers Jarvis war das Team am 24. Jänner von der Elefanteninsel südlich von Feuerland aufgebrochen. Begleitet von einem modernen Schiff meisterte die Besatzung die Reise mit der gleichen Ausrüstung, die auch der Crew um Shackleton vor gut hundert Jahren zur Verfügung gestanden war. Shackleton hatte im Jahr 1916 mit der riskanten Fahrt von der Elefanteninsel nach Südgeorgien seine im Südatlantik gestrandete Expeditionsmannschaft gerettet.

"Unmöglich, trocken zu bleiben"

Die Fahrt sei sehr anstrengend gewesen, sagte Jarvis. Es sei nur darum gegangen, durchzuhalten. "Es war unmöglich, trocken zu bleiben. Der Schutz mit Wachskleidung half überhaupt nicht", sagte Jarvis. Mehrmals wurde das Boot von Wellen überspült, auch unter Deck gab es kein Entrinnen vor der Nässe.

Shackleton war 1915 auf dem Weg zu einer geplanten Antarktisdurchquerung mit seinem Schiff "Endurance" im Eismeer stecken geblieben. Während die "Endurance" vom Eis zerstört wurde, konnte sich die Crew mit ihren Beibooten bis zur Elefanteninsel vorkämpfen. Im umgebauten Beiboot "James Caird" erreichte Shackleton von dieser Insel aus schließlich Südgeorgien. In der dortigen Walfängerstation im bergigen Inland Südgeorgiens organisierte Shackleton 1916 erfolgreich die Bergung seiner kompletten Crew. Der Forscher gelangte zu Weltruhm und wird heute in einer Reihe mit Polarforschern wie Roald Amundsen und Robert Falcon Scott genannt. (APA/red, derStandard.at, 4./11.2.2013)

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    An Bord der "Alexandra Shackleton" gelang sechs Männern um Tim Jarvis die Überquerung des Südatlantiks.

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