"Sans Souci": Zehn von 15 Residenzen verkauft

Interview4. Februar 2013, 17:44
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Norbert Winkelmayer und John Hitchcox im Gespräch über ihr kürzlich eröffnetes Designhotel "Sans Souci" in Wien

Letzten Mittwoch wurde in Wien das Hotel Sans Souci eröffnet. CEO Norbert Winkelmayer und John Hitchcox, Chef des Designunternehmens yoo, sprachen über ihre Pläne. Wojciech Czaja stellte die Fragen.

STANDARD: Es gibt in Wien mehr als 430 Hotels. Rund 60 Prozent davon liegen in der Vier- und Fünf-Sterne-Kategorie. Wie viele Luxushotels brauchen wir noch?

Winkelmayer: Es gibt in Wien die großen unpersönlichen Luxuskettenhotels. Und dann gibt es die gehobenen, persönlichen Hotels, die aber nicht über die nötigen Facilities wie etwa Swimming-Pool und Spa verfügen. Wir verbinden das eine mit dem anderen: Wir sind ein kleines Hotel mit 63 Zimmern und der richtigen Ausstattung. Das ist der feine Unterschied.

Hitchcox: Ich stamme aus London, und von meiner außenstehenden Perspektive stelle ich fest, dass nur wenige Hotels im Hochpreissegment tatsächlich auf Wien zugeschnitten sind. Die meisten Hotels sind austauschbar und haben nichts mit dieser Stadt zu tun. Wir hingegen bieten den Gästen Wien-Flair - mitsamt Parkettboden und doppelflügeligen Türen.

STANDARD: Die Bettenauslastung in Wien lag letztes Jahr bei 56,7 Prozent. Mit wie viel rechnen Sie?

Winkelmayer: In den nächsten zwei Jahren rechnen wir mit 50 bis 52 Prozent. Danach wird es kontinuierlich leicht bergauf gehen. Langfristig rechne ich mit 85 Prozent.

STANDARD: Wo liegen die Zimmerpreise?

Winkelmayer: Die Zimmer fangen bei 260 Euro an. Die große Suite in der Hochsaison kostet 1900 Euro.

STANDARD: Die Baukosten waren ursprünglich mit 45 Millionen veranschlagt. Wo stehen Sie heute?

Winkelmayer: Bei 48 Millionen.

STANDARD: In den ersten Visualisierungen gab es vor den Zimmerfenstern noch auffällige violette Baldachine. Wann kommen die?

Hitchcox: Gar nicht. Erstens ist das Licht in den Hotelzimmern so schön, dass wir beschlossen haben, auf die Baldachine zu verzichten. Zweitens war die MA 19, (Magistratsabteilung für Stadtgestaltung, Anm.) strikt dagegen.

STANDARD: Design- und Boutiquehotels sind sehr lifestyleabhängig. Mit welchen Lebenszyklen rechnen Sie?

Hitchcox: Ich würde das Sans Souci niemals als Boutiquehotel bezeichnen. Die Ausstattung ist weder modisch noch in irgendeiner Weise kurzlebig. Materialien, Farben und Formen sind zeitlos. Ich bin davon überzeugt, dass die Zimmer in 30 Jahren immer noch zeitgemäß attraktiv sein werden.

STANDARD: Und wann wird es das erste Refurbishment geben?

Winkelmayer: Ein kleines Refurbishment wird es wahrscheinlich schon in ein paar Jahren geben. In dieser Hotelkategorie muss man am Ball bleiben.

STANDARD: Neben den Hotelzimmern gibt es auch 15 Penthouse-Wohnungen. Alle schon verkauft?

Winkelmayer: Nein. Bis jetzt haben wir zehn Residenzen verkauft.

STANDARD: Der Kaufpreis liegt zwischen 9500 und 17.500 Euro pro Quadratmeter. Das ist viel Geld.

Winkelmayer: Das stimmt. Allerdings sind die teuren Wohnungen schon weg. Die günstigeren sind noch zu haben. Wir starten jetzt bei 5000 Euro pro Quadratmeter.

STANDARD: Ganzjähriges Wohnen?

Winkelmayer: Sowohl als auch. Die Hälfte der Eigentümer wohnt hier ganzjährig. Die andere Hälfte, darunter etwa auch Edward K. Eisler, der ehemalige CEO von Goldman Sachs, nutzt die Wohnung als Zweit- oder Drittwohnsitz.

STANDARD: Wie funktioniert das Nebeneinander aus Gast und Bewohner?

Winkelmayer: Sehr gut. Die Wohnungseigentümer haben ja die Wahl, ob sie den Haupteingang durch die Lobby oder lieber den Nebeneingang mit einem Chip nutzen.

STANDARD: Das Hotelrestaurant La Véranda wurde in den Gastro-Kritiken nicht gut rezensiert. Wie werden Sie darauf reagieren?

Winkelmayer: Es gab sehr gute Kritiken, und es gab sehr harsche Kritiken, an denen wir zugegebenermaßen zu kiefeln haben. Als die Kritiken veröffentlicht wurden, waren wir noch in der Soft-Opening-Phase. Da läuft noch nicht alles so, wie es soll. Wir werden aber daran arbeiten. Wir werden unseren Weg schon finden. (Wojciech Czaja, DER STANDARD, 2./3.2.2013)

Norbert Winkelmayer (44) studierte Wirtschaft und gründete 1995 die Sans Souci Group, der er nun als CEO vorsteht.

John Hitchcox (51) gründete gemeinsam mit Philippe Starck 1999 das britische Designunternehmen Yoo, das in 27 Ländern weltweit tätig ist.

  • Das "Sans Souci" wurde vergangene Woche offiziell eröffnet.
    foto: derstandard.at

    Das "Sans Souci" wurde vergangene Woche offiziell eröffnet.

  • "Das ist kein Boutiquehotel", sagen yoo-Designer John Hitchcox ...
    foto: sans souci

    "Das ist kein Boutiquehotel", sagen yoo-Designer John Hitchcox ...

  • ... und Sans-Souci-Chef Norbert Winkelmayer.
    foto: sans souci

    ... und Sans-Souci-Chef Norbert Winkelmayer.

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