Li-Fi: Licht als Zukunft des Datenfunks

4. Februar 2013, 15:53
14 Postings

Neue Technologie für smarte Straßen und Indoornavigation

Die schottische Strathclyde University in Glasgow errichtet ein neues Forschungszentrum, das "Intelligent Lighting Centre" (ILC), in dem das Potenzial von Licht im Datenverkehr erforscht werden soll. Unter anderem soll dort auch am "Li-Fi"-Standard weitergearbeitet werden, der einmal zur Realisierung von intelligenten Straßen, Indoornavigation und Datenfunk dienen könnte.

Höhere Ambitionen

Geplant war der Marktstart der Technologie ursprünglich für 2012 über ein Spin-off-Unternehmen namens "Visible Light Communications" (nunmehr pureVLC). Die Forscher haben sich nun aber höhere Ziele gesteckt.

Konkret geht es darum, über schnelles Flackern von LED-Lichtern Informationen zu übermitteln. Li-Fi könnte auf diesem Wege zukünftig etwa die in vielen Großstädten oft überlasteten Datenfunk-Netze entlasten. Das Potenzial der Technologie ist groß, wie Harald Haas, einer der Li-Fi-Entwickler 2011 gegenüber pressetext erklärte. Mittelfristig hielt man damals Übertragungsraten von bis zu 300 Megabit für machbar.

Am ILC sollen LEDs in Mikrometer-Größe erforscht werden, deren Durchmesser lediglich ein Tausendstel der heute üblichen Leuchten im Millimeter-Format aufweist. Um den gleichen Faktor sollen sie auch schneller flackern können, was die Bandbreite nach oben schraubt. Ein Array aus 1.000 mal 1.000 Mikrometer-LEDs hätte einen ein Millionen Mal höheren Output als eine einzelne 1-mm-LED. Heute visiert man eine Transfergeschwindigkeit von einem Gigabit pro Sekunde an.

Display, Beleuchtung, Funkstation

Die Vision: Eine energiesparende Kombination aus Beleuchtung, Display und Funkstation. Deren Erarbeitung lässt sich das UK Engineering and Physical Sciences Research Council 4,6 Millionen Pfund über die nächsten vier Jahre kosten. Man hofft, binnen eines Jahrzehnts eine Technologie erarbeitet zu haben, die "alle Aspekte des menschlichen Lebens berührt", wie Forschungsleiter Martin Dawson gegenüber Semiconductor Today sagt.

Künftig könnte etwa die drahtlose Datenübertragung im Eigenheim oder öffentlichen Einrichtungen über die Beleuchtung geregelt werden, was auch gesundheitliche Bedenken bezüglich radiofrequenter Elektromagnetfelder ausräumen würde. Selbige hatte die WHO noch 2011 als "möglicherweise krebserregend" eingestuft.

Smarte Straßen

Eine andere Einsatzvariante wäre Straßenbeleuchtung, die gleichzeitig aktuelle Verkehrsinformationen an die Smartphones, Laptops oder Autos der Verkehrsteilnehmer übermittelt. Jede der kleinen Leuchten könnte gleichzeitig als Pixel eines Displays fungieren, das sich beispielsweise als Ampel oder Warnschild nutzen ließe.

Solche Panels könnten auch interaktiv gestaltet werden. Denkbar sind etwa "Kommunikationsleuchten" auf Smartphones, die mit ihnen kommunizieren und kontextbasierte Informationen - etwa die Preise aktueller Angebote in einem Schaufenster - empfangen. Der Einsatz ist generell überall denkbar, wo künstliche Beleuchtung verwendet wird. (gpi, derStandard.at, 04.02.2013)

  • Licht soll ein neues Spektrum und neue Potenziale für drahtlose Datenübermittlung öffnen.
    foto: epsrc

    Licht soll ein neues Spektrum und neue Potenziale für drahtlose Datenübermittlung öffnen.

Share if you care.