Wiener Volksbefragung: Ausbau der Bürgersolarkraftwerke doch nicht fix

4. Februar 2013, 14:10
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Sprecher: Ergebnis der Volksbefragung werde "selbstverständlich" abgewartet

Wien - Die rot-grüne Stadtregierung lässt die Wiener bei der Volksbefragung auch darüber entscheiden, ob weitere Alternativenergieprojekte mit finanzieller Beteiligung der Bevölkerung - nach dem Beispiel der Bürgersolarkraftwerke - umgesetzt werden sollen. Egal, wie das Plebiszit ausgeht: Die Wien Energie treibt den Ausbau besagter Bürgerkraftwerke in jedem Fall weiter voran. Für heuer ist der Verkaufsstart für weitere Anlagen fix, sagte ein Sprecher. Man gehe von einem "positiven Votum" im März aus, wodurch der Ausbau dann gewissermaßen "symbolisch legitimiert" werde.

Die Ausbaupläne seien mit der Politik freilich akkordiert. "Unser Eigentümer weiß Bescheid", so der Sprecher. Schließlich sei es der Wunsch von Rot-Grün gewesen, derlei Projekte zu forcieren - "und ich habe bisher nichts Gegenteiliges gehört".

Im Vorjahr verkaufte die Wien Energie alle Anteile für die ersten vier Kraftwerke binnen kürzester Zeit. Das Modell funktioniert so, dass Bürger bei der Wien Energie Photovoltaik-Paneele einer Anlage erwerben. Maximal zehn Module können erstanden werden. Die Wien Energie mietet diese dann von den Eigentümern, die eine jährliche Rendite erhalten, zurück. Nach Ablauf der Lebensdauer (rund 25 Jahre, Anm.) fließt der gesamte Beteiligungsbetrag dann an die Investoren zurück.

Zwei Kraftwerke bereits in Betrieb

Zwei der vier Kraftwerke sind bereits in Betrieb. Die beiden noch ausstehenden Stromanlagen werden noch im ersten Quartal 2013 realisiert, kündigte der Sprecher an. Eine wird am Gelände des Zentralfriedhofs - auf einer freien Fläche beim Tor drei - errichtet, die zweite in Liesing beim Fernheizwerk Inzersdorf. Für weitere Kraftwerke soll der Paneele-Verkauf noch heuer starten. Wie viele Anlagen 2013 dazukommen sollen, steht noch nicht fest, die entsprechenden Standorte ebenso wenig.

Die Wien Energie hat sich bekanntlich zum Ziel gesetzt, bis 2020 insgesamt 160.000 Haushalte mit Solarstrom zu versorgen. Bürgerkraftwerke sollen aber nur einen Teil des Bedarfs liefern, verwies der Sprecher auf eine Reihe von Kooperationen mit Bauträgern bzw. geplanten Anlagen auf Gemeindebauten. Insgesamt werden jedenfalls eine Mio. Quadratmeter an Photovoltaik-Modulen benötigt, was der Fläche der Josefstadt entspricht.

Über Plan

Mit den vier Bürgerkraftwerken können rund 800 Haushalte mit Ökostrom beliefert werden. Das erste in der Donaustadt ist bereits seit Mitte Juni in Betrieb und produzierte bis dato gut 350.000 Kilowattstunden (kWh) Strom. Damit liege man über Plan, denn 70 Prozent des Jahresziels von 500.000 kWh seien bereits jetzt erreicht. Für das zweite Bürgerkraftwerk in Leopoldau gibt es noch keine Zahlen. Die Anlage ist erst seit Mitte Dezember am Netz.

Bei der Volksbefragung, die von 7. bis 9. März stattfindet, werden die Wiener neben Parkpickerl, Olympia und Privatisierung auch zum Thema Energieprojekte um ihre Meinung gebeten. Die Energiefrage lautet: "Soll die Stadt nach dem Beispiel der Bürger/innen-Solarkraftwerke weitere erneuerbare Energieprojekte entwickeln, die mit finanzieller Beteiligung der Bürger/innen realisiert werden?"

Update: Wien Energie rudert bei Ausbauplänen zurück 

Der Ausbau der Bürgersolarkraftwerke unabhängig vom Ausgang der Wiener Volksbefragung ist nun doch nicht fix. Das Unternehmen hat am Montagnachmittag seine ursprüngliche Ankündigung (siehe oben) in jedem Fall weitere Anlagen noch heuer zu errichten, wieder relativiert. Man warte "selbstverständlich" das Ergebnis des Votums ab und nehme dieses auch ernst, betonte ein Sprecher. Lediglich im Fall eines Sanktus' der Bürger werde man weitere Bürgerkraftwerke bauen, wurde versichert.

Man hoffe jedenfalls auf einen positiven Ausgang der Befragung, so der Sprecher. Grundsätzlich halte Wien Energie an der Notwendigkeit, den Ausbau erneuerbarer Energien zu forcieren, fest. Die Bürgersolarkraftwerke seien aber nur eine Säule dabei, verwies der Sprecher erneut auf Kooperationen mit Wohnbauträgern oder Photovoltaikprojekte auf privaten Grundstücks- und Dachflächen.

Zuvor hatte die Wiener ÖVP in den ursprünglichen Angaben des lokalen Energieversorgers einen Beleg dafür gesehen, dass die Volksbefragung im März zu einer Farce verkomme. "Jetzt haben wir es quasi amtlich, dass die rot-grüne Koalition die Bürgerinnen und Bürger am Schmäh hält", stellte Parteichef Manfred Juraczka via Aussendung fest. (APA, 4.2.2013)

  • Photovoltaik-Anlage in Wien-Donaustadt.
    foto: standard/hendrich

    Photovoltaik-Anlage in Wien-Donaustadt.

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