Listerien in Verhackertem: Villacher Fleischverarbeiter verurteilt

4. Februar 2013, 13:26
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Geschäftsführer bekamen drei bzw. vier Monate bedingt - Unternehmen muss 18.500 Euro Buße zahlen - Urteile nicht rechtskräftig

Klagenfurt/Villach - Ein Villacher Fleischverarbeiter ist am Montag wegen Fahrlässigkeit im Zusammenhang mit dem Auftauchen von Listerien in dem Produkt "Kärntner Speckverhackertes" verurteilt worden. Über die beiden Geschäftsführer wurden bedingte Freiheitsstrafen von drei bzw. vier Monaten nach dem Lebensmittelsicherheits- und Verbraucherschutzgesetz ausgesprochen. Die Produktions- und die Vertriebsgesellschaft wurden zu einer Geldbuße von 37.000 Euro verurteilt, wobei die Hälfte des Betrags bedingt nachgesehen wurde. Die Urteile sind nicht rechtskräftig.

In einer Probe des Produktes, das über einen Diskonter vertrieben worden war, tauchten im Jahr 2011 die Bakterien auf. Staatsanwältin Doris Kügler sah durch Gutachten und Expertenaussagen bestätigt, dass es eine "Lücke in Bezug auf die Betriebshygiene" gegeben habe. Sie bemängelte das Fehlen eines Listerien-Monitoring-Programms. Verteidiger Christian Puswald beantragte trotzdem Freisprüche. Einem belastenden Gutachter attestierte er "keine Ahnung von den Vorgängen" zu haben.

Fahrlässigkeit

Richterin Aylin Aydinonat entschied, dass zwar kein Vorsatz, wohl aber eine Fahrlässigkeit vorliege. Trotz eines Gutachtens, das auf ein Listerienproblem im Betrieb hingedeutet habe, hätten die Angeklagten keine weiteren Maßnahmen ergriffen. Erst nach einer verordneten Betriebsbesichtigung seien Reinigungsmittel ausgetauscht und zusätzliche Schulungen durchgeführt worden. Die Staatsanwältin gab zu den Urteilen keine Erklärung ab, der Verteidiger erbot sich drei Tage Bedenkzeit.

Listerien sind anspruchslose und widerstandsfähige Bakterien. Aufgrund ihrer für Bakterien ungewöhnlichen Fähigkeit zu Wachstum bei niedrigen Temperaturen können sie sich auch im Kühlschrank vermehren. Lebensmittel tierischer Herkunft wie Rohmilch, Weichkäse, Räucherfisch oder rohes Fleisch und Geflügel können sowohl beim Melken und Schlachten, aber auch in der Weiterverarbeitung, verunreinigt werden.

Bei gesunden Erwachsenen verläuft eine Infektion meist ohne Krankheitszeichen bzw. als Durchfall. Im Allgemeinen schützt das menschliche Immunsystem ausreichend gegen schwere Krankheitsverläufe und viele Infektionen gehen praktisch unbemerkt und ohne besondere Folgen vonstatten. Schwere Erkrankungen kommen meist nur bei immungeschwächten Menschen vor, bei ihnen äußert sich eine Erkrankung laut der Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) in heftigen Kopfschmerzen, starkem Fieber, Übelkeit und Erbrechen. (APA, 4.2.2013)

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