Das Ende der Männer: Eine provokante These, nicht schlüssig argumentiert

Rezension4. Februar 2013, 12:42
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Das Buch "Das Ende der Männer und der Aufstieg der Frauen" ist kein feministisches Manifest, aber stellt Frauen auch nicht als Opfer oder bessere Menschen dar

Es gibt kaum eine Kultursendung der öffentlich-rechtlichen Anstalten im deutschsprachigen Raum, in der Hanna Rosin in den vergangenen Wochen nicht aufgetreten wäre. Ihr jetzt auf Deutsch erschienenes Buch hat im angelsächsischen Raum heftige Diskussionen ausgelöst. Hierzulande wird das kaum gelingen. Dazu ist das Buch zu sehr auf die USA bezogen.

Man erfährt sehr viel über deren Datingkultur, über die in Zusammenhang mit Rainer Brüderle und den Sexismusvorwürfen auch hier derzeit diskutiert wird. Wie in Ulrich Seidls Film Paradies: Liebe nehmen sich die Frauen nach Einschätzung Rosins, was und wen sie wollen: der Mann als Lustobjekt und Befehlsempfänger, die Frau als Entscheiderin und Ernährerin ihrer Familien.

Unverheiratete Kinderlose verdienen besser

Rosin nimmt eine Zufallsbegegnung mit einer alleinerziehenden Mutter in einem Supermarkt als Anlass, um diese Bilder zu bestätigen. Die 42-jährige Journalistin hat viel Zahlenmaterial zusammengetragen: Vor zwei Jahren wurde festgestellt, dass bei unverheirateten und kinderlosen Amerikanern unter dreißig Frauen um bis zu ein Viertel mehr verdienen als Männer. 2011 hatten Frauen 51,4 Prozent der leitenden Positionen und akademischen Berufe inne. Drei Viertel der 7,5 Millionen Arbeitsplätze, die in den USA in den vergangenen sechs Jahren verlorengingen, machten Männer arbeitslos.

Rosin mixt Zahlen kunterbunt mit Gesprächen auf einem Campus oder an einem Küchentisch. Das reicht aber nicht aus, um eine These kompetent mit Argumenten zu unterlegen. Das Buch ist kein feministisches Manifest und stellt Frauen auch nicht als Opfer oder bessere Menschen dar. Rosin zeigt interessante Entwicklungen auf, über die sich trefflich diskutieren ließe.

"Für Jacob, tut mir leid wegen des Titels", lautete die an ihren Sohn gerichtete Widmung der verheirateten dreifachen Mutter. Wegen der nicht eingelösten Erwartungen entschuldigt sich die Autorin bei den Leserinnen und Lesern am Ende des Buches nicht. (Alexandra Föderl-Schmid, DER STANDARD, 4.2.2013)

Hanna Rosin
Das Ende der Männer und der Aufstieg der Frauen
Berlin Verlag 2013
352 Seiten, 20,60 Euro

  • Leider hält das Buch nicht, was der Titel verspricht.
    foto: berlin-verlag

    Leider hält das Buch nicht, was der Titel verspricht.

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