Presserat: "Heute" wegen Diskriminierung von Muslimen verurteilt

4. Februar 2013, 11:38
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66 Leser beanstandeten Artikel "Eifersucht: Mann ersticht vor Kindergarten Ehefrau" - Gratiszeitung zog Konsequenzen

Wien - Der Presserat verurteilt die Gratiszeitung "Heute" wegen eines Verstoßes gegen den Ehrenkodex der österreichischen Presse. Der Anlass ist der Artikel "Eifersucht: Mann ersticht vor Kindergarten Ehefrau", der am 7. Dezember im Blatt erschien. Mit folgender Passage: "Der Kraftfahrer (43) gehört zur Sorte Mann, die zum Glück eher hinterm Halbmond lebt. In Ländern, wo das Gesäß beim Beten höher ist als der Kopf. Partnerinnen betrachten sie als Besitz. Macht sich der selbständig, sind sie im Stolz verletzt und drehen durch." derStandard.at berichtete bereits darüber.

66 Leser, so viele wie noch nie zuvor, beanstandeten den Artikel, der Senat 2 veröffentlichte am Montag sein Urteil: Er erkennt darin eine schwerwiegende Verletzung des Ehrenkodex für die österreichische Presse. Das Gremium sah darin eine "Pauschalverunglimpfung von Menschen mit muslimischen Glauben; gleichzeitig auch eine Diskriminierung aus religiösen bzw. rassistischen Gründen sowie eine Herabwürdigung einer anerkannten Religionsgemeinschaft, die geeignet ist, berechtigtes Ärgernis zu erregen", wie es in einer Aussendung heißt: "Der Senat bewertete die Entschuldigung des Chefredakteurs auf der Webseite positiv, da sie klar und deutlich ausgefallen ist. Demgegenüber war die Reaktion in der Printausgabe von "Heute" nicht ausreichend, da dort in erster Linie die raschen Konsequenzen der Chefredaktion gelobt wurden und nicht die Entschuldigung im Vordergrund stand", so der Presserat.

"Heute" zieht Konsequenzen

Als positiv hob der Senat zudem hervor, dass "Heute" umfangreiche Konsequenzen aus dem Fall gezogen habe: "Gegen die Autoren des Artikels wurden disziplinäre Maßnahmen ergriffen, die Autoren haben sich bereit erklärt, unentgeltlich gemeinnützige Arbeit für islamische Organisationen zu leisten, die Chefredaktion wird in Absprache mit dem Betriebsrat einen redaktionsinternen Verhaltenskodex entwickeln, gegenüber der Chefredaktion wurden neue Kontrollschleifen für spät am Abend verfasste Artikel eingeführt und es wird Schulungen geben, um die Sensibilität der 'Heute'-Redaktion zu schärfen", so der Presserat.

Von der Möglichkeit, an dem Verfahren teilzunehmen, hat die Medieninhaberin der Tageszeitung "Heute" Gebrauch gemacht, informiert der Presserat. Bisher hat sich  "Heute" allerdings nicht der Schiedsgerichtsbarkeit des Presserats unterworfen. (red, derStandard.at, 4.2.2013)

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